13. Oktober

OT: Hannah and Her Sisters
USA 1986
Regie: Woody Allen
103 Min., 35mm, DF
Mit Mia Farrow, Max von Sydow, Michael Caine, Carrie Fisher, Dianne Wiest u.a.

Mit wenigen Worten lässt sich Woody Allens wohl vielschichtigster Film nicht zusammenfassen. Oft geht einem/einer das so mit seinen Charakterstudien. Denn es sind Ensemblestücke, die nicht zwingend von einer Handlung vorangetrieben werden, sondern von einer feinen Beobachtung ihrer Figuren leben, deren Sehnsüchte und Ängste durchleuchten und mit gnadenloser Leichtigkeit ihre Abgründe erforschen.
Kaum ein US-amerikanischer Filmemacher seiner Generation (Robert Altman kommt einem vielleicht noch in den Sinn) ist darin so gut wie Woody Allen. Und kaum jemals war Woody Allen so gut darin wie bei „Hannah und ihre Schwestern“.
Ein Oscar für das beste Drehbuch (von Allen selbst geschrieben) sowie zwei weitere für Michael Caine und Dianne Wiest waren die Belohnung.

Hannah, das ist Mia Farrow als leise, einfach gestrickte Schauspielerin, die niemandem zur Last fallen will und gerade dadurch unbemerkt zur Last für alle um sie herum wird. Ihre Schwestern, das sind Lee (Barbara Hershey), die von Schuldgefühlen geplagt wird, da sie eine Affäre mit Hannahs Ehemann Elliot hat, und Holly, die sich von Hannah bevormundet fühlt.

Drei Thanksgiving-Dinner bilden die Kulisse für Schlüsselbegegnungen aller Charaktere dieses komplexen Dramas, das, wie jeder quintessentielle Woody Allen-Film, ebenso tragisch wie komisch daherkommt. Doch trotz der messerscharfen Sezierung von Truthahn und emotionalen Untiefen gleichermaßen, weiß Allen geschickt den endgültigen Fall der Figuren zu vermeiden und auf seine unnachahmliche Art auch den Zuschauer genau dort aufzufangen, wo er selbst kaum ein anderes Bedürfnis mehr spürt als Teil der Partygesellschaft zu werden.
Denn wo sind unsere Neurosen besser aufgehoben als bei Hannah und ihren Schwestern?

Trailer