01. September

B/F 1999
Regie: Jean-Pierre & Luc Dardenne
95 Min., 35mm, DF
Mit Émilie Dequenne, Fabrizio Rongione, Anne Yernaux, Olivier Gourmet u.a.

— Als Vorfilm zeigen wir den Kurzfilm „Schwarze Welle“ von Mariola Brillowska – in 3D! HIER geht es zur Filmankündigung —

Eine Arbeitsstelle sichert das Überleben, verspricht doch nur sie soziale Akzeptanz, Würde sowie eine Identität. Das ist das so schlichte wie erbarmungslose Lebensmotto Rosettas. Und um eine Arbeit kämpft die Siebzehnjährige, die mit ihrer alkoholkranken Mutter in einer Wohnwagensiedlung lebt, mit allen Mitteln. Das kraftvolle, atemlose Spiel Émilie Dequennes macht die Protagonistin zu einer in ihrer Rücksichtslosigkeit abstoßenden und Verletzlichkeit anrührenden Figur. Ihre Darstellung findet im eigenwilligen Regiestil der Dardennes ihre Entsprechung: unmittelbar, abrupt, und dabei stets nahe dran an den Ursprüngen beider im dokumentarischen Genre. Rosetta war der zweite Spielfilm der Brüder aus dem belgischen Seraing im Arrondissement Liège, einer Region, die einen ähnlichen wirtschaftlichen Strukturwandel erlebte wie einst das Ruhrgebiet. Wie auch die anderen Filme aus dem Frühwerk der Dardennes, spielt Rosetta in deren Heimatstadt, die hier als postindustrielle, menschenfeindliche Kulisse gezeichnet wird.

Sujet, Machart und nicht zuletzt seine Auszeichnung mit der Goldenen Palme und dem Darstellerinnenpreis bei den Filmfestspielen Cannes 1999 ließen Rosetta seinerzeit zu einem Skandalfilm werden. Die Entscheidung der Jury, deren damaliger Präsident David Cronenberg einer der größten Fürsprecher des Films war, provozierte, entzweite und begeisterte Filmschaffende, Presse und Publikum.

Verschiedene Frauenportraits werden in die Filmgeschichte eingehen: Jeanne d‘ Arc von Dreyer, Wanda von Barbara Loden, Mouchette von Bresson, Sue von Amos Kollek … und seit kurzem auch Rosetta von Luc und Jean-Pierre Dardenne. … Rosetta ist ein großer Film, der es vorzieht zu schweigen. Dies ist sehr wohltuend für uns, die wir an dauerndes „Geschwätz“ im Kino gewohnt sind.“ Gérard Lefort, Libération

Trailer