08. September

D/Kanada 2008
Regie: Bruce LaBruce
94 Min., 35mm, OV
Mit Jey Crisfar, Katharine Klewinghaus, Marcel Schlutt, Susanne Sachße u.a.
Musik: Anthony and the Johnsons, Coco Rosie, Throbbing Gristle u.a.

— Als Vorfilm zeigen wir den Kurzfilm „Schwarze Welle“ von Mariola Brillowska – in 3D! HIER geht es zur Filmankündigung —

Otto ist ein junger Zombie, der plötzlich auf einer abgelegenen Landstraße auftaucht und nicht die geringste Ahnung hat, woher er kommt und wohin er will. Per Anhalter gelangt er nach Berlin und erkundet wankend und schlurfend die Stadt. Schon nach kurzer Zeit wird die Underground-Regisseurin Medea Yarn auf ihn aufmerksam, die gerade einen Low-Budget-Film über eine schwule Zombie-Guerillabewegung dreht. Otto wird gecastet und sie kommt bei ihrem Hauptdarsteller Fritz Fritze unter. Als Otto eine Brieftasche entdeckt, die Informationen über seine Vergangenheit enthält, beginnt er, sich an Einzelheiten aus der Zeit vor seinem Tod zu erinnern…

Bruce LaBruce, der große Politpornograf, hat mit „Otto; or Up With Dead People“ einen wundervollen Film gemacht. War sein […] Film „Rasperry Reich“ […] noch heftiger Voll-auf-die-neun-Trash […], ist „Otto“ […] poetischer, versponnener, anspielungsreicher und im pornografischen Sinne deutlich verhaltener. Nur noch im Film im Film werden die Verhältnisse buchstäblich gefickt.
[…]
Bruce LaBruce scheint mit der Figur Otto seinen eigenen Überschwang zu kommentieren. […] Er spielt mit filmgeschichtlichen Referenzen wie ein Kind mit Bauklötzen – Horrorfilmklassiker, Stummfilm, Maya Deren. […]. Er lässt nach Pollesch-Art viel wohlgefeilte Kapitalismuskritik abfeuern und dazu noch Marcuse lesen. Er macht über mannigfaltige Fleischkonkretionen das Feld auf zwischen Sex als rebellischer Geste und Sex als paradigmatischem Konsumakt. Aber dann lässt er die verlorene Seele Otto ins Bild tapern und macht dem ganzen Bedeutungswust einen privaten Strich durch die Rechnung – einfach weil Otto sich weder vom Politisieren noch vom Ficken noch von sonstigem blinden Aktionismus anstecken lässt und lieber sein eigener leerer Signifikant bleibt.
“ Taz.de

Trailer