07. Juli

OT: Sue
USA 1997
Regie: Amos Kollek
90 Min., 35mm, OmU
Mit Anna Thomson, Matthew Powers, Tahnee Welch, Tracee Ellis Ross, John Ventimiglia u.a.
Musik: Chico Freeman

Immer wieder bekommen wir zu hören, wann wir denn endlich anfangen würden, lebensbejahende und vor Witz strotzende Filme zu zeigen. Das können andere Kinos viel besser als wir. Wir ticken da anders. Wir sind ganz nah dran. Am Leben.
Auch mit „Sue – Eine Frau in New York“ schlagen wir in genau in die Kerbe. Deprimierender geht’s nicht. Versprochen.

Sue, gespielt von einer umwerfenden Anna Thomson, erhofft sich in New York einen Neuanfang. Doch auch hier gleitet ihr das Leben aus den Händen. Streifzüge durch die Bars und Coffeeshops, die Münzwaschsalons und Filmtheater, die Parks und Häuserschluchten von Manhattan stehen an der Tages – bzw. Nachtordnung. Sues verzweifelte Suche nach Nähe, die sich meist auf oberflächliche, sexuelle Kontakte reduziert, entwickelt sich zu einem emotionalen Drahtseilakt.

Amos Kollek und Anna Thomson: ein Gespann aus Regisseur und Darstellerin, wie man es nur selten findet. Vier Spielfilme haben die beiden zusammen gedreht. Drei davon bilden eine Trilogie. „Sue“ (1997), „Fiona“ (1998) und „Bridget“ (2001).

Amos Kollek gelang mit „Sue“ ein poetisches, oft heiteres stilles Meisterwerk, das auf der Berlinale 1998 zweifach ausgezeichnet wurde: mit dem Preis des Internationalen Verbandes der Filmkritik – FIPRESCI – „für seine Leistung, breite zeitgenössische Themen zu behandeln anhand des Porträts einer jungen Frau und ihres sozialen und emotionalen Abstieges“ und mit dem Preis der Ökumenischen Jury: „Der Film schildert ohne melodramatische Effekthascherei die verzweifelte Suche nach Liebe und Nähe in einer Gesellschaft der Vereinzelung.“ Der Filmemacher und Schauspieler, Schriftsteller und Publizist Amos Kollek, 1947 in Jerusalem geboren, studierte in Jerusalem Philosophie und Psychologie und debütierte 1971 als Romanautor.“ 3sat