07. April

BRD 1967
Regie: Johannes Schaaf
86 Min.
Mit Helga Anders, Christof Wackernagel, Rosemarie Fendel, Alexander May u.a.

Der 16jährige Benno (Christof Wackernagel) lebt in einem West-Berliner Jugendheim und wird von dem Unternehmer-Ehepaar Lohmann adoptiert. Benno beginnt eine Lehre als Koch, fühlt sich in seinem neuen Zuhause jedoch immer unwohler. Die demonstrative Milde, die bürgerliche Erziehung und das betonte Verständnis seiner neuen Eltern sind ihm zuwider. Näher stehen ihm der Kleinkriminelle Siggi und die Adoptivtochter der Lohmanns, Gaby (Helga Anders). Der Versuch, Benno ins kleinbürgerliche Milieu zu integrieren, endet in einer Katastrophe.

Tätowierung ist ein Film, der die Befindlichkeiten der Jugend im geteilten Berlin am Vorabend der Studentenbewegung einfängt. Eine Thematisierung von politischer Rebellion findet dabei nicht explizit statt, eher kommen authentisch wirkende Bilder der Jugendkultur wie eine unterschwellige, aber omnipräsente Protesthaltung und konfliktgeladene Unzufriedenheit zum Ausdruck. Über eine indirekte Thematisierung von Rebellion stellt Tätowierung insofern eher unfreiwillig einen direkten Bezug zum späteren bundesdeutschen Terrorismus her: Der Hauptdarsteller Christof Wackernagel wurde später selbst aktives RAF-Mitglied. 1977 wurde er in Amsterdam festgenommen und 1980 zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt„. RAF, Linksterrorismus und „Deutscher Herbst“ im Film; Anna Pfitzenmaier

Wegweisendes, vielfach preisgekröntes Meisterwerk von einem der Pioniere des „Jungen Deutschen Films“ der 1960er Jahre Johannes Schaaf („Traumstadt“ / „Trotta“ / „Momo“).

Deutscher Filmpreis 1968. Filmband in Gold für „Abendfüllende Spielfilme“, „Beste Regie“ und „Darstellerische Leistungen“. Prädikat: besonders wertvoll.