31. März

CS, D 2011
Regie: Tomáš Luňák
84 Min., DCP, tsch. m. dt. UT
Animationsfilm

Herbst 1989. Beinah könnte man sich Alois Nebel als glücklichen Menschen vorstellen. Er sitzt seit Jahr und Tag an einem kleinen Provinzbahnhof, fertigt Züge ab und lässt das Leben um sich herum geschehen. Er ist ein Eigenbrötler im tschechischen Spätsozialismus, der alte Fahrpläne den Menschen vorzieht und die Einsamkeit des Bahnhofs als ruhig und entspannend empfindet – außer wenn der Nebel kommt. Denn dann fängt er an zu halluzinieren, Geister zu sehen, sowie Schatten aus der dunklen Vergangenheit des Zweiten Weltkrieges. Alois wird diese Albträume nicht los und endet schließlich in einer Klinik, wo er „den Stummen“ kennenlernt. Dieser wird zum unfreiwilligen Auslöser für seinen Entschluss, den Kampf gegen die Dämonen aufzunehmen, die ihn nächtlich heimsuchen.

Tomás Lunák erzählt in seinem Animationsfilm in kontrastreicher Schwarz-Weiß-Optik eine Geschichte aus dem Sudetenland. Basis dafür bildet die dreiteilige Graphic Novel „Alois Nebel” von Jaroslav Rudiš.
Die populäre Trilogie trug viel dazu bei, die öffentliche Diskussion über das Schicksal der Vertreibung […] wieder neu zu beleben“ und es gelang „mit popkulturellen Mitteln ein unliebsames Kapitel der Geschichte wieder ins Bewusstsein zu rufen.“ Katharina Granzin

Der Film wurde im Rotoskopie-Verfahren realisiert, einer besonderen Form der Animation, bei der das Motiv mehrere Male über zuvor gedrehtes Filmmaterial Bild für Bild abgezeichnet wird. So verstärkt sich der Eindruck der zum Leben erweckten Graphic Novel. Die starken Kontraste von Schwarz und Weiß verleihen dem Film die Stimmung eines Film Noir.

Der Film erhielt 2012 den Europäischen Filmpreis in der Kategorie „Bester Animierter Spielfilm“.

Trailer