Veranstaltung: „Afrofuturismus. Sun Ra und das Intergalactic Myth-Science Solar Arkestra“, Vortrag & Film

13. Januar

USA 1974
Regie: John Coney
85 Min., 35mm, OV
Mit Sun Ra u.a.

19 Uhr Vortrag mit Peggy Piesche (Einlass ab 18:45 Uhr), 20:30 Uhr Filmvorführung.
Der Vortrag ist kostenfrei, für die Filmvorführung gilt der reguläre Eintrittspreis des Offkinos.

Are you ready to alter your destiny?“ (Sun Ra in „Space is the Place“)
Kosmologische Jazz-Musik als Raumschiff, der Planet Saturn bzw. das Universum als hoffnungsfrohes Synonym für einen Ort an dem Schwarzes Leben möglich ist – das sind die Motive des Films „Space is the Place“. Während eines Trips auf die Erde sieht Sun Ra, der sich selbst spielt und im Film durch das Universum und die Zeit reist, sich plötzlich seinem Gegenspieler, dem kosmischen Overseer , gegenüber. Beide lassen sich auf ein Kartenspiel ein, dessen Einsatz nichts weniger ist, als die Aussicht auf ein freies Leben für Schwarze und alle die bereit sind für die kosmischen Klänge des Intergalactic Myth-Science Solar Arkestras, oder, wenn Sun Ra verliert, auf ein Leben und Sterben in der sozialen und materiellen Enge der rassistisch segregierten USA.
Als der Film 1973 gedreht wurde, war das Space Race, d. h. der Wettlauf um das Weltall, zwischen den beiden Blöcken des kalten Krieges in vollem Gange. In dem hier präsentierten Film wird nicht nur der popkulturelle Niederschlag dieser Ereignisse, wie etwa die u. a. durch Raumfahrttechnologien inspirierten Narrative des speziellen Widerstands von Sun Ra gegen Rassismus und soziale Ungleichheit, thematisiert. Als Jazz-Musiker und Komponist ist Sun Ra insbesondere auch von den damals brandneuen, zum Teil nur als Prototypen zur Verfügung stehenden Synthesizern begeistert und erzeugt Töne, die bis dahin nicht zu hören waren. Ton-Technik wird hier zu einem Vehikel für Bewegung, wo keine Bewegung möglich scheint.

Die Kulturwissenschaftlerin Peggy Piesche (Co-Herausgeberin des Sammelbandes „Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland“, Unrast Verlag 2009) wird vor der Filmvorführung einen Vortrag zu dem spezifischen Afrofuturismus von Sun Ra halten.
„The Future is Now!? Afrofuturismus von Sun Ra zu Afrikanischen spekulativen Narrationen der Gegenwart“, Peggy Piesche: Die unter der Bezeichnung Afrofuturismus bekannt gewordene künstlerische Bewegung nutzt das Science-Fiction-Genre, um schwarze Versionen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu imaginieren. Während die Bewegung des Afrofuturismus vor allem literarisch und kulturell zuerst in der Diaspora mit Sun Ra, George Clinton und den Geschichten von Octavia Butler und Samual Delany begründet wurde, ist es unmöglich, ihre Wurzeln auf dem afrikanischen Kontinent zu ignorieren: Die Vorstellung und Utopie einer zukünftigen Welt, einer grundsätzlich anderen Welt, jenseits von hegemonialen Kategorien und Gegensätzen, bis hin zur Infragestellung des Begriffs des (Post) Humanismus waren allesamt schon immer integraler Bestandteil der afrikanischen Erzähltradition(en). Der Vortrag wird die künstlerischen Referenzen dieser seit dem Essay „Black to the Future“ von Mark Dery aus dem Jahre 1993 so beschriebenen Bewegung nachzeichnen und vor allem Sun Ras Film Space is the Place (1972/74) in seiner kulturellen Verarbeitung von Hoffnungen, Träumen und Zukunftsvisionen darin kontextualisieren.

Diese Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem „re_vision medienkollektiv“ mit freundlicher Unterstützung durch die „ag freie Bildung“ und der „Antifa AG“ an der Universität Bielefeld.