15. April

OT: L’eclisse
I, F 1962
Regie: Michelangelo Antonioni
126 Min., 35mm, DF, s/w
Mit Alain Delon, Monica Vitti, Francisco Rabal, Louis Seigner, Lilla Brignone u.a.

Seine ganze ihm eigene Ästhetik, die er mit LA NOTTE schon ausgekostet zu haben schien, erweist sich hier als noch verfeinerter. Interieurs, Baustellen, Straßenzeilen und selbst die belebte City werden zu einem einzigen toten Friedhof unter dem Mond, wenn Vittoria hindurchgeht. Wie die entsetzliche Agonie einer sinnentleerten Welt, dagegen nimmt sich das Treiben an der Börse aus, mit dem wir in zwei langen Sequenzen fast unvermittelt konfrontiert werden. Hier wird Sisyphos-Arbeit getan. Nichts geschieht wirklich. Doch frisst dieser Bewußtseins-Ersatz immerhin zuweilen seine Kinder … War die Konstellation Vittoria-Riccardo jeder logischen Motivation bar und überzeugte sie uns doch unbedingt, so werden wir im Falle Vittoria-Piero zwar mit Motivationen für das Verhalten der Frau (indes nicht für die Neigung des jungen Mannes) reichlich bedacht, doch stellt sich Überzeugungskraft nicht ein. Wenn nach einem erneuten kindlich unartikulierten Liebesspiel Vittoria („Bis morgen“) aus Pieros Büro weggeht, dann muss Antonioni schon die Sonnenfinsternis bemühen, um darzutun, dass auch diese Begegnung von Vergeblichkeit überschattet ist. —— Martin Ripkens in: Die Zeit, 2.11.1962.