22. April

GB 1966
Regie: Michelangelo Antonioni
111 Min., 35mm, DF
Mit David Hemmings, Vanessa Redgrave, Sarah Miles, John Castle u.a.

BLOW UP ist einer der ganz seltenen Filme (im Werk Antonionis der erste), in dem die Arbeit eines Mannes zentrale Bedeutung hat. Thomas ist ein Allround-Fotograf, er ist nicht spezialisiert. Die Bilder seines Fotobandes weisen ihn als einen Naturalisten à la Cartier-Bresson aus, aber auch als Modefotograf gehört er zur Spitzenklasse. Nicht die eine oder andere Weise, sich der Fotografie zu bedienen, ist gemeint, sondern ihr Wesen. Ob Thomas die Männer im Asyl oder das Paar im Park heimlich beobachtet und aufnimmt, ob er bei den Modeaufnahmen die Mannequins terrorisiert oder ob er sich selbst und sein Modell beim Fotografieren einer Prozedur unterzieht, die einem Geschlechtsakt gleichkommt: immer sucht er den gesteigerten Moment, den Exzess des Wirklichen, die vermeintliche Verdichtung. Sein Voyeurtum ist immer dabei, in Terror umzuschlagen. Seine Indiskretion beginnt nicht erst damit, nackte Männer im Asyl oder ein Liebespaar im Park zu belauern und ihre Fotos zu publizieren; sie beginnt mit der Fixierung privilegierter Momente. Fotografieren ist ein Akt der Gewalt, es versetzt das Objekt in Totenstarre und beraubt es durch die Verdoppelung seiner Identität. —— Enno Patalas in: Filmkritik, 5/1967.

Trailer