28. August

BRD 1987
Regie: Thees Klahn
82 Min., 35mm
Mit Jean-Pierre Léaud, Romy Haag, Hark und Marquard Bohm u.a.

** Überraschend hat der Regisseur Thees Klahn seinen Besuch angekündigt – wir freuen uns!
** Vor dem Film erläutern Dirk Strehl und Bernhard Gößling die ungeahnte Wirkung von Traxlers Satire an einem prägnanten Beispiel.

Es war einmal, lange vor Karl-Theodor zu Guttenberg -dass die bahnbrechende Studie „Die Wahrheit über Hänsel und Gretel“ von Georg Ossegg erschien. Wie sein Vorbild Heinrich Schliemann, der Troja ausgrub, das bis dahin lediglich als ein in Verse gesetzter Mythos galt, lüftete Ossegg in akribischer Forschung die Wahrheit hinter dem Märchen. Er fand den Hexenwald und grub das „Knusperhäuschen“ und die Öfen der „Bakkerhexe“ Katharina Schraderin aus. Die Mär entpuppte sich als ein Wirtschaftskrimi, der zudem auch noch die Brüder Grimm in einem schrägen Licht erscheinen ließ. Das war zu viel! Die junge Bundesrepublik war erschüttert.
Übrigens hatte Ossegg die Hilfe eines Ghostwriters, eines gewissen Hans Traxler. Na, klingelt`s?
Da Ossegg nicht auffindbar war, wollte eine japanische Universität Traxler, später Gründer der „Titanic“, die Ehrendoktorwürde verleihen. Als alles aufflog, wurde er wegen Betrugs angeklagt. Wissenschaftssatire war damals noch unbekannt. Der Skandal war perfekt.

Nun der Film: Er ist alles andere als eine trockene Nacherzählung des Traxlerschen Traktats. Thees Klahn führte die Satire weiter bis zur Farce, sehr zu des Autors Verdruss. 1987 in den Kinos, verschwand der Film bald von der Bildfläche, die Zeit war noch nicht so weit.…
Wir zeigen das vom Regisseur geliehene Originalexemplar. Jean-Pierre Léaud, die später mit dem Teddy-Award geehrte Romy Haag, sowie Hark und Marquard Bohm spielen darin wie behext. Und wenn sie nicht gestorben sind…, wer weiß?

Jetzt lacht die Hexe sich ins Fäustchen.“ Berliner Morgenpost