05. Juni

OT: Dà hóng dēnglóng gāogāo guà
China, Hongkong 1991
Regie: Zhang Yimou
125 Min., 35mm, DF
Mit Gong Li, He Caifei, Cao Cuifeng u.a.

China in den 1920ern. Die junge Songlian (Gong Li) sieht sich, der finanziellen Nöte in Ihrer Familie wegen, gezwungen, als vierte Nebenfrau in den Haushalt eines reichen Mannes einzuheiraten. Der lässt Abends rote Laternen in dem Flügel seines Anwesens zünden, in dem die Frau wohnt, bei der er die Nacht zu verbringen gedenkt. Mit dieser Bevorzugung ist zugleich die Kontrolle über den Haushalt, verdeutlicht durch die Entscheidungsgewalt über das Essen, verbunden. Es ist dies die einzige Freiheit, die den Frauen bleibt. In allen Anderem unterliegen sie Regeln, die nicht von ihnen bestimmt, sondern die durch den Hausherren gesetzt werden.

Zhang Yimou erzählt in strengen, visuell überzeugenden Bildern. Das Anwesen steht im Film als Symbol für eine totalitäre, geschlossene Welt. Der Hausherr erscheint nur undeutlich und auf Distanz. So wie die Frauen keine Möglichkeit haben hinauszukommen, so bleibt die Kamera innerhalb der Räume, Flure und Höfe.

Der Film war in China eine Weile verboten. Zu offensichtlich die Nähe des Mikrokosmos „reicher Herrensitz“ zum politischen System. Wie sich innerhalb eines solchen Systems verhalten, in dem Macht, Intrige und Isolation erfolgversprechender scheinen als Offenheit, Empathie und Solidarität? Songlian, zunächst verwirrt, empört, verzweifelt, begreift bald. Nachdem sie zunächst rebelliert, nimmt sie Teil an der Konkurrenz unter den Frauen, wird zu einer tragischen Figur in einem barbarischen Spiel.

„Rote Laterne“ ist so streng inszeniert wie die Regeln, nach denen die gezeigte Welt funktioniert, so schmerzhaft wie das Chaos, was hinter diesen lauert, und so beengend wie ein Käfig nur sein kann. Und auf seine Art vielleicht der beste Gefängnisfilm.“ Dmitrij Panov

Trailer