12. Juni

D 2010
Regie: Philip Koch
105 Min., 35mm
Mit Joel Basman, Constantin von Jascheroff, Martin Kiefer u.a.

Geschlossene Gesellschaft – Bei dem Thema liegt es auf der Hand, auch einen Film über die im wahrsten Sinne des Wortes geschlossenste Gesellschaft mit ins Programm zu nehmen: Die Insassen von Haftanstalten. „Picco“ von Philip Koch ist angelehnt an die Ereignisse in der JVA Siegburg im Jahre 2006, bei denen junge Häftlinge einen Mitgefangenen erniedrigten, demütigten und schließlich zum Äußeresten trieben.

Langeweile, Frustration und Perspektivlosigkeit prägen den Alltag der Häftlinge. In eindrücklichen, beklemmenden und zum Teil sehr heftigen Bildern schildert Koch die Welt hinter Gittern.

Grundsätzlich geht es in „Picco“ um die Frage: Wie wird man vom Opfer zum Mitläufer und letztlich zum Täter? Das bemerkenswerte an Philip Kochs Film ist, dass das Setting austauschbar ist. Die Mechanismen des Mobbings greifen auch in Schule, Alltag oder Beruf. Koch stellt Fragen und liefert eben keine Antworten. Wohl mit ein Grund, warum der Film so polarisiert. Als Zuschauer_in ist man stets mit der Frage konfrontiert, wie frau selbst in der Situation gehandelt hätte. Darüber hinaus ist der preisgekrönte Film von Philip Koch eine differenzierte Kritik an dem System der Strafhaft. Wie notwendig und aktuell die Debatte darüber ist, zeigen die jüngsten Vorfälle in der JVA Herford.

Ob er mit Reaktionen aus der Politik bezüglich seiner dargestellten Probleme rechnet? „Ich glaube, man kann auch mit einer kleinen Nadel einen großen Elefanten zum Laufen bringen, wenn man richtig zielt.“ Philip Koch, Intro #189

Wir präsentieren „Picco“ in Zusammenarbeit mit dem „Kreis 74 e.V.„, der Straffälligenhilfe Bielefeld. Im Anschluss an den Film besteht die Möglichkeit mit Ehrenamtlichen des Vereins über das Thema in Austausch zu treten.

Trailer