29. Mai

USA 1977
Regie: John Badham
112 Min., 35mm, OF
Mit John Travolta, Karen Lynn Gorney, Barry Miller u.a.
Mit einer Einführung von Michael Girke zu den filmischen und popgeschichtlichen Hintergründen

Tony Manero (John Travolta) ist 19, hat keine Ausbildung, jobbt in einem Malergeschäft und lebt bei seiner Familie in Brooklyn, das im New York der siebziger das Viertel der italienischen Einwanderer ist. Zuhause Dauerzoff, die Familie streng katholisch, der Bruder Priester, er das schwarze Schaf. Tonys Gang will cool sein, klopft rassistische und sexistische Sprüche. Unterlegenheiten werden mit aggressivem Verhalten gegen Frauen, rivalisierende Gangs und Schwule kompensiert. Gelegentlich prügelt man sich. Samstags wirft man ein paar Drogen ein, reißt Mädels auf für schnellen Sex im Auto. Das ist das kleine, schmutzige High. Tony ist der Star der lokalen Diskothek. Einige seiner Verehrerinnen werden von ihm in der Gang „herumgereicht“.

Doch im Leben des Tony Manero gibt es ein Moment der Reinheit, des bei sich seins und der Anerkennung. Das ist der Tanz. Eines Tages lernt er Stephanie kennen, und beschließt, mit ihr an einem großen Tanzwettbewerb teilzunehmen.

Was bei Erscheinen des Films für Aufregung sorgte, war das bis dahin unbekannte „Cross-Marketing“: Erst lief der Sound im Radio, und als die Ohrwürmer in den Köpfen verankert waren, lockte der Film das Publikum. Dessen Erfolg kurbelte dann die LP-Verkäufe an. Um den Markt noch besser bedienen zu können, wurde der Film gekürzt. In der Originalfassung von 1977 spielen sozialkritische Elemente eine größere Rolle; in der 1978 veröffentlichten, jugendfreien Version fehlen diese zu großen Teilen – insbesondere eine Vergewaltigungsszene.

Michael Girke, freier Autor, Filmhistoriker, Kurator. Lebt und arbeitet in Herford; schreibt u.a. für „Der Freitag“, „Neue Züricher Zeitung“, „Film-Dienst“, „Kolik-Film“; Lehraufträge u.a. an der HFBK Hamburg.

Trailer