10. April

Israel, F 2004
Regie: Michale Boganim
96 Min., 35mm, O(Hebräisch, Russisch)mU
Dokumentarfilm

Die am Schwarzen Meer gelegene Hafenstadt Odessa war eines der kulturellen jüdischen Zentren innerhalb Europas und jüdische Bürger_innen machten, vor der deutschen Eroberung der Stadt im Sommer 1941, etwa 20 % der Bevölkerung der Millionenstadt aus. Heute zählt die jüdische Gemeinde nur ca. 40.000 Mitglieder. Der Großteil der Überlebenden der Shoa wanderte nach Israel oder Amerika aus.
Die israelische Regisseurin Michale Boganim nimmt uns mit auf eine Reise auf den Pfaden der Diaspora und beschreibt ein allgemeines Gefühl von Nostalgie und Trauer über eine untergehende Kultur. Die Reise führt uns von Odessa über „Little Odessa“, einem von russischen Emigranten und Emigrantinnen bewohnten Stadtteil New Yorks, bis nach Aschdod, eine in Israel gelegene Neubaustadt.
Dabei beschäftigt sich der außergewöhnliche Dokumentarfilm nicht in 1. Linie mit der bewegten Geschichte der Hafenstadt oder mit der Aufarbeitung von Einzelschicksalen, sondern mit der Gefühlswelt der sich selbst als Exilanten sehenden Juden. Im Gespräch mit verschiedenen Menschen geht es um deren Hoffnungen, Illusionen und den Traum von Freiheit. Dabei bewegt sich Bogamin mit den Charakteren wie auf einer von Musik, Erinnerung und Traumbildern getragenen Odyssee. Jedes Reisekapitel ist dabei in unterschiedliche, die Szenerie dominierende Farben getaucht.

Der Film ist um einen Ort, eine Stadt herum formuliert. Das Gefühl für diesen Ort entsteht über die Ankunft und die Abreise verschiedener Menschen, aber all das verweist uns immer wieder auf Odessa selbst. Es ist ein Ort, der existiert, der existiert hat, aber im Verlauf des Films wird Odessa immer mehr ein imaginärer Ort. […]“ Michale Boganim