17. April

BRD 1975
Regie: Rainer Werner Fassbinder
128 Min., 35mm
Mit Brigitte Mira, Ingrid Caven, Karlheinz Böhm, Margit Carstensen u.a.

Wahrscheinlich wegen angekündigter Entlassungen tötet der Fließbandarbeiter Küsters seinen Chef und dann sich selbst. Er hinterlässt seine fassungslose Frau, Emma Küsters (wunderbar gespielt von Brigitte Mira), die verzweifelt versucht, das Ansehen ihres Mannes zu retten. Von ihrer Familie wird sie dabei in Stich gelassen – der Sohn Ernst und seine Frau Helene fürchten um ihr eigenes Ansehen und ihre Tochter Corinna, eine erfolglose Nachtclubsängerin, versucht lediglich die plötzliche Aufmerksamkeit auf ihre Familie für ihre Karriere zu nutzen. Die Sensationspresse drängt sich in die Wohnung von Emma und nutzt sie schamlos aus. Unerwartete Hilfe scheint sie im Ehepaar Thälmann zu finden, die Mitgefühl für ihre Situation und die Motive ihres Mannes zeigen. Diese zeigen sich als Mitglieder der Kommunistischen Partei zugehörig. In ihrem Bemühen, ihren Mann zu rehabilitieren, tritt sie der Partei bei, doch diese hat auch nur eigene Interessen im Sinn. Letztendlich wendet sie sich neuen Partnern zu, die ihr versprechen, zu handeln…

Fassbinder ließ sich von Piel Jutzis sozialkritischen Klassiker „Mutter Krausens Fahrt ins Glück“ aus dem Jahre 1929 inspirieren, der in Figurenkonstellation, Handlung und Verlauf Parallelen aufweist. Fassbinder drehte zwei Fassungen vom Ende des Films. Das alternative Ende wurde in der US-amerikanischen Fassung verwendet, die wir heute zeigen.

Auch in diesem Film „fasst“ Fassbinder seine Figuren in rahmenähnliche Bilder, sei es in Spiegel, Türrahmen, Fenster usw. Sie sind Gefangene ihrer selbst und einer Gesellschaft, die durch funktionale Elemente und instrumentalistische Strukturen „geordnet“ ist.“ Ulrich Behrens