28. November

OT: The Killing of a Chinese Bookie
USA 1975
Regie: John Cassavetes
109 Min., 35mm, OmU
Mit Ben Gazzara, Azizi Johari, Seymour Cassel, Timothy Agoglia Carey u.a.

Cosmo Vitelli, Eigner des Nachtclubs “Crazy Horse West”, wird, nachdem er Spielschulden angehäuft hat, vor die Alternative gestellt, selbst zu töten oder getötet zu werden.

Wer nach diesem Plot einen genreüblichen Thriller erwartet, wird enttäuscht. „The Killing of a Chinese Bookie“ unterläuft alle Erwartungshaltungen an einen Gangsterfilm, bremst Ansätze von Suspense und Action mit einer verstörenden Nonchalance aus. Roh wirken viele Szenen und Dialoge, fast, als wären einfach Schauspielproben in den Film eingebaut (was Cassavetes tatsächlich oft tat). Ben Gazzara als Nachtclubbesitzer ist von einem obskuren Lebenstraum getrieben. Und so entwickelt Cassavetes, dessen Interesse als Regisseur in der Beschäftigung mit Schauspielern als echten Menschen lag, die Szenen mit Vitelli im Kreis seiner Angestellten als großzügigen Gegenentwurf zu der Halbwelt der Kredithaie und Zuhälter. Für die Mädchen Rachel, Betty, Sherry, seinen Conferencier Mr. Sophistication oder Tony ist Cosmo eine Vaterfigur. Das „Crazy Horse West“ wiederum ist Vitellis kleinbürgerlicher Traum von einer sorgenfreien Existenz.

Eine tragische Selbstbehauptungsgeschichte im Gewand eines Gangsterfilms. Ein Gangsterfilm mit den Mitteln des Cinema direct.“ Andreas Busche

…ist die Free-Jazz-Version eines Thrillers. Eine Improvisation. So wie auch das Leben von Cosmo improvisiert, in der Schwebe ist, Illusion, Selbsttäuschung.“ Anke Leweke: Die Einsamkeit im Strip-Lokal