24. Januar

OT: L’année dernière à Marienbad
F/I 1961
Regie: Alain Resnais
98 Min., 35mm, DF
Mit Delphine Seyrig, Giorgio Albertazzi, Sascha Pitoëff u.a.

Ein Mann und eine Frau treffen sich in einem prachtvollen Schloss. Er versucht sie davon zu überzeugen, dass sie sich ein Jahr zuvor hier verabredet haben, um zusammen ein neues Leben zu beginnen. In bruchstückhaften Erinnerungen beschwört er ihre gemeinsame Vergangenheit, doch die Frau kann sich an nichts erinnern.

„Letztes Jahr in Marienbad“ etwa hat man wegen seines Titels und auch wegen der Filme, die Resnais vorher gedreht hatte, von vornherein als eine jener psychologischen Variationen über die verlorene Liebe, das Vergessen, die Erinnerung verstanden. Am häufigsten stellte man sich die Fragen: Sind dieser Mann und diese Frau sich letztes Jahr in Marienbad wirklich begegnet, haben sie sich wirklich geliebt? Erinnert sich die junge Frau an den schönen Fremden, gibt sie nur vor, ihn nicht wiederzuerkennen? Oder hat sie wirklich alles vergessen, was zwischen ihnen vorgefallen war? Und so weiter. Um es ohne Umschweife zu sagen: Für mich haben solche Fragen überhaupt keinen Sinn. Die Welt, in der der ganze Film spielt, ist ja gerade die Welt einer ständigen Gegenwart, die jede Zuflucht zu Erinnerungen unmöglich macht. Es ist eine Welt ohne Vergangenheit, die sich selbst in jedem Augenblick genügt und die sich nach und nach zerstört. Jener Mann und jene Frau fangen erst an zu existieren, wenn sie auf der Leinwand zum ersten Mal erscheinen. Vorher gibt es sie nicht. Und wenn der Film zu Ende ist, gibt es sie wiederum nicht. Ihr Dasein dauert nur so lange, wie der Film dauert – anderthalb Stunden.“ Alain Robbe-Grillet: Es gab kein letztes Jahr in Marienbad, in: Die Zeit (1963), Nr. 35.

„Letztes Jahr in Marienbad“ wurde 1961 mit dem „Goldenen Löwen“ der Filmfestspiele von Venedig ausgezeichnet, und 1963 gab es eine Oscar-Nominierung für Alain Robbe-Grillet in der Kategorie „Bestes Originaldrehbuch“.

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