8. November

OT: Lo Straniero
I/F 1967
Regie: Luchino Visconti
104 Min., 35mm, DF
Mit Marcello Mastroianni, Anna Karina, Georges Wilson, Bernard Blier, Bruno Cremer u.a.

Eine Geschichte, die völlig belanglos ist, aber doch zu einem Mord führt… Den Mord an einem jungen Araber, der die gesamten Ereignisse auslöst, stellt Visconti in den zeitlichen Mittelpunkt des Films. Diese Tat, die in ihrer Entwicklung detailliert gezeigt wird, teilt die Handlung in zwei unterschiedliche Hälften, aber sie entzieht sich ebenso jeder klaren Bewertung wie die Figur des Meursault. Weder liegt ein Vorsatz vor, noch kann man sie als Unfall bezeichnen. Schuld oder Unschuld lässt sich nicht definieren, aber der Versuch einer Einordnung durch die Gesellschaft bestimmt die zweite Hälfte des Films, in der Marseault vor Gericht steht.

Luchino Viscontis verkanntester Film, eine bei ihrem Erscheinen – trotz erstaunlicher Werktreue – sehr gemischt aufgenommene, seither kaum gezeigte Adaption von Albert Camus’ „Der Fremde“. Das angeblich Unverzeihliche: Die Schattenwelt, die existentielle Leere, die den gleichgültigen Protagonisten des Buchs umgibt, wird von Visconti mit gewohnt sorgfältig rekonstruierter, realistischer Detailfülle versehen, der ebenso ungreifbare existentialistische Anti-Held mit Psychologie und der Star-Präsenz von Marcello Mastroianni. Das Portrait absoluter Entfremdung, die Geschichte eines sinnlosen Mordes und seiner Folgen, muss sich hier – in typischer Visconti-Manier – den Platz mit einem Gesellschaftsportrait teilen.

Den Film zeigen wir in Kooperation mit der Bielefelder Buchhandlung und Galerie „mondo“ und mit freundlicher Unterstützung der „Rosa Luxemburg-Stiftung NRW e.V.“.