07. Juni

OT: El nave va
I/F 1983
Regie: Federico Fellini
128 Min., 35mm, DF
Mit Freddie Jones, Barbara Jefford, Peter Cellier, Norma West, Pina Bausch u.a.

Im Juli 1914 macht sich ein Ozeanriese mit prominenten Passagieren an Bord auf den Weg, um der Asche einer verstorbenen Operndiva bei einer Seebestattung die letzte Ehre zu erweisen. Auf der feinen Gästeliste finden sich die Stützen der Gesellschaft, aber auch ein skurriles Völkchen von Überlebenskünstler_innen. Unter ihnen Sänger und Regisseure, Dirigenten und Impresarios, die blinde Prinzessin und ihre Entourage, ein Großherzog und sein Premierminister, kurz: alle Repräsentanten der österreichisch-ungarischen Monarchie – allesamt Bewunderer der göttlichen Stimme der verblichenen Diva. Die ersten Tage an Bord erweisen sich – trotz des Anlasses – als vergnügliche Reise, bis das Schiff eines Tages auf eine Gruppe serbischer Flüchtlinge stößt. Die Menschen sind auf der Flucht vor den ersten Auswirkungen des Ersten Weltkrieges, und der Kapitän des Luxusdampfers beschließt, die Flüchtlinge zu seiner elitären Kundschaft zusätzlich an Bord zu nehmen.

Es gibt wohl kaum ein besseres Symbol für den drohenden Untergang einer Gesellschaft als ein Schiff. Wohin fährt das Schiff? Wer steuert es? Auf dem Oberdeck befinden sich die Reichen, unter Deck schuften die Armen in Hitze und Dreck. Dazwischen: keine Berührung. Was aber geschieht, wenn sie plötzlich und unvorhergesehen alle im selben Boot sitzen?

(…) In der Caruso-Stadt Neapel geht die Musikwelt an Bord der „Gloria N.“, und Fellini läßt uns deren Aufmarsch und die ersten Auftritte der Primadonnen und Sangesathleten, der Maestros und Virtuosen erleben, als sähen wir alte Wochenschauen, als würden vergilbte Photoalben filmisch aufgeblättert. Allmählich dann werden die Bilder schärfer, perfekter, nähern sich unserem Standard, Farbe kommt hinzu – und man begreift, daß uns Fellini gerafft, in einem amüsanten Schnellkursus, die handwerkliche und technische Entwicklung des Mediums Film vorgezaubert hat.“ DIE ZEIT, 1984

Fellinis musikalisch opulente, bildgroteske Vision persifliert Selbstgefälligkeit und verstellten Wirklichkeitssinn mit mehrfacher, gleichnishafter Selbstironie.“ Filmdienst