22. Februar

USA 1969
Regie: Andy Warhol
105 Min., 35mm, DF
Mit Viva, Louis Waldon

Ein Nachmittag in einem New Yorker Apartment: Viva und Louis vertreiben sich die Zeit mit Gesprächen und Sex. Sie liegen nackt im Bett, plaudern ungezwungen über alltägliche Dinge, soziale Bedürfnisse, Politik, Kunst und Liebe. Sie vollziehen echten Geschlechtsverkehr vor der Kamera, sehen Fern, Kochen, Essen, Duschen und lassen uns ganz unkonventionell an ihrem Alltagsleben teilnehmen.

Für die erste öffentliche Aufführung hatte Warhol das New Yorker „Garrick Theater“ angemietet. Es kam zum Skandal, die Polizei stürmte das Kino, konfiszierte den Film und verhaftete den Theater-Manager, den Filmvorführer und die Kassiererin. Die Öffentlichkeit reagierte auf „Blue Movie“ mit Empörung, die Sittenwächter sahen darin einen Frontalangriff auf die gesellschaftliche Moral. Der Film wurde als übles pornographisches Machwerk ohne jeden künstlerischen Wert bezeichnet. Viva und Louis, jedoch bezeichneten ihren öffentlich vollzogenen Koitus als authentischen Lebensausdruck.
Die Chancen der anstehenden Gerichtsverhandlung beurteilt die „New York Times“ als durchaus günstig: „In einer Gesellschaft, in der Geschmacklosigkeit und Vulgarität zu den unabdingbaren Rechten gehören, könnte es sehr wohl verfassungswidrig sein, Erwachsenen den Umgang mit obszönen Dingen zu verbieten.“
Der Manager des „Garrick Theater“ erhielt eine Geldstrafe von 250 Dollar. Der Film wurde auf 90 Minuten gekürzt und durfte dann zensiert gezeigt werden.

Erstaunlich ist, dass es „Blue Movie“ in Deutschland ohne große Schwierigkeiten mit FSK 18 ins Kino geschafft hat. Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden zeichnete ihn sogar als Spielfilm mit dem Prädikat „Wertvoll“ aus.

Ein außergewöhnlicher Klassiker der Filmgeschichte ist „Blue Movie“ 40 mehr Jahre nach seiner Entstehung allemal.

Everybody must have a fantasy.“ Andy Warhol