04. Januar

DE 2012
Regie: Axel Ranisch
76 Min., Blu-Ray
Mit Ruth Bickelhaupt, Heiko Pinkowski, Peter Trabner

Zusammen mit seiner Mutter Edeltraut lebt Sven in einer kleinen Plattenbauwohung. Wenn er morgens zur Arbeit in einer Bank geht, kommt Daniel in die Wohnung und kümmert sich um die an Demenz erkrankte Frau. Daniel geht mit ihr spazieren, einkaufen und macht den Haushalt. Doch eines Tages als er die Fenster putzt, schließt Edeltraut Daniel auf dem Balkon aus und haut ab. Bei der gemeinsamen Suche nach Edeltraut kommen sich Sven und Daniel näher.

Mit einem Budget von 517 Euro hat Regisseur Axel Ranisch seinen Film realisiert. Die Bilder, die Ranisch mit einer handelsüblichen Digitalkamera eingefangen hat, erinnern zuweilen an wackelige Homevideo aufnahmen. Doch was dem Film an Produktionsstandard fehlt, macht er mit viel Einfallsreichtum und Improvisationslust der Schauspieler wieder wett. Auf internationalen Filmfestivals begeisterte der Film Zuschauer und Jurys. Das Slamdance Film Festival in Utah prämierte den Film beispielsweise für seine kühne Originalität („Special Jury Award for Bold Originality“)

Überhaupt ist „Dicke Mädchen“ ein Film, der durch seine Offenheit zu Entdeckungen einlädt und das Aufbrechen von dem Runterbrechen auf Bedeutung vorzieht. Da weist Daniel beispielsweise einen Kuss von Sven in der Öffentlichkeit zurück, aber es bleibt offen, warum er das tut. Weil es ein schwuler Kuss ist? Weil Daniel Ehefrau und Sohn hat? Aus einem völlig anderen Grund? Der bisweilen etwas überstrapazierte Begriff des Queeren ist durchaus treffend, um das vieldeutige Spiel mit Identitäten, die sich in Ranischs Film immer wieder als flüchtig und provisorisch erweisen, zu beschreiben. Abseits vom manchmal monotonen radikalen Chic vieler als queer gelabelter Produktionen und deren Fixierung auf junge, schlanke Körper gelingt Ranisch mit „Dicke Mädchen“ nicht nur ein komplexer und eigensinniger Film, sondern auch ein Stück queeres Kino, das sich nicht in der Thematisierung von Homosexualität erschöpft und am Ende weit mehr zu bieten hat als dicke Mädchen.“ (filmgazette.de)

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