14. Dezember

USA/GB 2011
Regie: Lynne Ramsay
112 Min., 35mm, OmU
Mit Tilda Swinton, John C. Reilly, Ezra Miller
Nach dem Roman von Lionel Shriver

In ihrem dritten Langfilm inszeniert die Schottin Lynne Ramsay die Ereignisse nüchtern und in traumartigen Rückblenden. Sequenzen mit Vor- und Rückblicken sind kommentarlos scheinbar willkürlich ineinander geschnitten, und fügen sich dann doch zu einer Tragödie, deren Sog man sich nicht entziehen kann. Es sind eindrucksvolle, teils bizarre, surreale Bilder und die Farbe Rot steht im Mittelpunkt einer minutiös durchkomponierten Choreographie von Design und Dramaturgie. Nach und nach entspinnt sich das Gewirr aus Erinnerungen und ersten Anzeichen bis hin zur Geschichte eines Desasters. Sie zeigt, wie das normale Leben in eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes schlittern kann. Der Titel „We need to talk about Kevin“ führt in die Irre, denn über Kevin wird kaum geredet. Dennoch geht es um ihn und seine Eltern, v.a. um seine Mutter. Kunstvoll wird der Lebensweg der überforderten, aber wohlmeinenden Mutter Eva gezeigt. Sie ist trostlos, verlassen und Mutter eines 16-jährigen Todesschützen. Während die meisten vergleichbaren Filme mit der Tat enden, beschäftigt sich der Film mit dem Elend danach: der Qual des Weiterlebens. Die Regisseurin breitet Lebensfragmente vor dem Zuschauer aus und überlässt ihm auch die Einordnung.

Wo man zu Anfang Partei ergreifen möchte, ist man schließlich vorsichtig… Wahrscheinlich beginnt das im Titel geforderte Gespräch erst, wenn der Film zu Ende ist, im Kopf des Zuschauers.“ (Daniel Kothenschulte)

… eine packende, verstörende Melange aus Familiendrama, Charakterstudie und Psychothriller.“ (Kirsten Liese)

Der Film gewann mehrere Preise und auch Swinton wurde für ihre darstellerische Leistung mehrfach ausgezeichnet – u.a. mit dem Europäischen Filmpreis 2011. Ein Muss für alle Tilda Swinton-Fans.

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