28. Dezember

OT: La pianiste
Österreich, Frankreich 2001
Regie: Michael Haneke
130 Min., 35mm, OmU
Mit Isabelle Huppert, Benoit Magimel, Annie Girardot
Nach dem Roman von Elfriede Jelinek

Die Klavierspielerin Erika Kohut hat das Talent und Können einer wahren Künstlerin. Aber statt in den Konzerthallen der Welt Erfolge zu feiern, fristet die Frau mittleren Alters ein freudloses Dasein als Klavierlehrerin am Konservatorium der Stadt Wien. Nach Stunden trostloser Tätigkeit wartet zu Hause nur die Mutter, die ihre Tochter als Besitz betrachtet und ein System totaler Überwachung und Abwertung aufgebaut hat. Nach außen wird hingegen eine heile und gutbürgerliche Fassade gewahrt. Den Terror der Mutter, dem Erika scheinbar ausgeliefert ist, gibt die Tastenvirtuosin an ihre Schüler weiter, denen sie jeden kleinsten Fehler mit unbarmherziger Strenge nachhält und keine Konkurrenz duldet. In kleinen Fluchten lebt sie ihre auf Voyeurismus, Demütigung und Schmerz angelgte und fixierte Sexualität aus. In diesem Zustand von Einsamkeit und gefühlskalten Abgründen bricht eines Tages der junge Pianist Walter Klemmer ein, einer ihrer Meisterschüler. Er macht Erika Avancen, auf die sie zunächst mit abweisendem und erniedrigendem Verhalten reagiert. Die Freude, als sie doch endlich in die Affäre einwilligt, weicht bei Walter sehr schnell heftiger Irritation. Erika hat ihn auserkoren, um ihre Fantasien und ihre Idee von Liebe endlich mit einem Partner ausleben zu können. Doch weder sie, noch ihr jugendlicher Partner sind für die Reise in das unbekannte Terrain gerüstet.

Der in Cannes 2001 dreifach preisgekrönte Film (…) ist eine kongeniale Adaption des Romans von Elfriede Jelinek. Hanekes Bilder sind so verstörend wie Jelineks Sprache. Emotionslos wie ein Forscher lässt er uns am neurotischen Treiben seiner Heldin teilhaben, bis es wehtut.“ (Stern)

Haneke zeigt die Abgründe auf, die sexuellen, ebenso wie die seelischen, klar und schonungslos, ohne dabei in simple Psychologisierung zu flüchten. Diese Sezierung menschlichen Seins fällt für alle Seiten schmerzhaft aus, nicht zuletzt auch für den Zuschauer, der sich wie immer bei Haneke, keinen Augenblick wohlig in seinem Kinosessel zurücklehnen kann. Dafür wird man mit radikaler und kontroverser Kinokunst belohnt, die wohl kaum einen unberührt lassen dürfte.“ (Norbert Raffelsiefen)

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