16. November

OT: Ultimo Tango a Parigi
Italien, Frankreich 1972
Regie: Bernado Bertolucci
124 Min., 35mm, OmU
Mit Marlon Brando, Maria Schneider, Jean-Pierre Léaud

Seit seiner Premiere im Jahr 1972 gilt „Der Letzte Tango in Paris“ als Skandalfilm, und bis heute spaltet der Film Zuschauer und Kritiker. Doch wer den Film allein auf seine Sexszenen reduziert, dem entgehen die eigentlich Themen des Films. Vielmehr erzählt der Film von modernen Problemen der Identität und Einsamkeit. Nicht zufällig erinnern die Bilder, die Kameramann Vittorio Storaro, einfängt deutlich an den irischen Maler Francis Bacon.

Marlon Brando spielt Paul, einen Witwer Mitte Vierzig, der nicht über den Selbstmord seiner Frau hinwegkommt. In einer verlassenen Wohnung trifft er auf die halb so alte Jeanne (Maria Schneider). Die beiden beginnen eine anonyme, sexuelle Beziehung – Paul verbietet, dass sie sich ihre Namen verraten. Bei ihren Treffen lebt Paul seinen Drang nach Selbstzerstörung aus.

“He  plays out the American male tough-guy sex role—insisting on his power in bed, because that is all the “truth” he knows. What they go through together in their pressure cooker is an intensified, speeded-up history of the sex relationships of the dominating men and the adoring women who have provided the key sex model of the past few decades—the model that is collapsing.“ (Pauline Kael)

„Der Film nimmt eine Ideologie- und Figurenanalyse vor und reflektiert sich in einer sehr bewegenden Form selbst. Damit zwingt er den Zuschauer, für Dinge aufmerksam zu sein, für welche die Figuren blind sind … Bertolucci drückt in Gedanke und Gefühl eine Intensität aus, die er weder zuvor noch danach je wieder erzielt hat.“ (Robert Kolker)