13. Juli

La Ronde
Frankreich 1950
Regie: Max Ophüls

97 Min., 35mm, OmU
Mit Simone Signoret, Serge Reggiani, Danielle Darrieux, Adolf Wohlbrück, Simone Simon, Daniel Gélin u.a.

Schnitzlers Bühnenstück (1900) – skandalumwittert nicht nur bei der szenischen Uraufführung – von Ophüls zu einem morbid-zynisch-fröhlichen Film der “Untergangsstimmung” geformt.
Der “Reigen” der sich treffenden und sich wieder verlassenden Partner um die Jahrhundertwende in Wien ist atmosphärisch dicht und überzeugend mit lächelnder Leichtigkeit und kokettem Charme inszeniert. Die Sinnlichkeit des Reigens findet durch Aussparung der Sinnlichkeit statt, er spielt auf der enthemmtesten Bühne, auf der freizügigsten Leinwand – der der Phantasie. Ausgerechnet 1950, in der Zeit der totalen Prüderie, der freiwilligen und unfreiwilligen Selbstkontrolle, der strikten Zensur, wurde dieses Werk, das von nichts anderem als vom (um die damalige Polizeisprache zu zitieren) “HvG”, vom häufig wechselnden Geschlechtsverkehr, handelt, gedreht und gezeigt. Aber in Wahrheit passen Schnitzlers Drama und Ophüls’ Film genau in die Zeit der Doppelmoral und ihrer restriktiven Auswirkungen. Es ist das Verbot und die Unterdrückung, die sich die Lust schaffen, die dieses Fin de Siècle durch und durch erotisiert und durchtrieben gemacht haben.

Max Ophüls, 1933 von den Nazis aus Deutschland vertrieben, hat in der Emigration Filme in Frankreich, Italien und den USA gedreht. Nach acht Jahren Hollywood kehrte er 1949 nach Frankreich zurück und verfilmte Schnitzlers “Reigen”, ein Ophüls-Projekt aus der Vorkriegszeit. Ophüls, der als einer der größten Stilkünstler der Filmgeschichte gilt, großes Erbe ist aber wohl der Einfluss den er auf nachfolgende, junge Regisseure hatte; so zeigt Stanley Kubrick in “2001” deutlich wie er von Max Ophüls Kameraarbeit inspiriert wurde.