08. Juni

Schweden 1957
Regie: Ingmar Bergman
90 Min., 16mm, s/w, DF
Mit Victor Sjöström, Ingrid Thulin, Bibi Andersson, u.a.

Isak Borg kann auf ein scheinbar erfolgreiches Leben zurückblicken. Der 78-jährige Medizinprofessor hat sich ganz der Wissenschaft verschrieben. Die Universität Lund will ihn mit einem Ehrenpreis honorieren. Doch für seine Familie und Freunde hatte er wenig Zeit. Ein egoistischer Steinklotz, so nennt ihn seine langjährige Haushälterin.
Zusammen mit seiner Schwiegertochter Marianne macht er sich auf den Weg nach Lund. Unterwegs zeigt Isak ihr das Ferienhaus in dem er die Sommer seiner Jugend und Kindheit verbracht hat. Die Erinnerung an eine unbeschwerte Jugend werden lebendig, Isaks Erinnerungen vermischen sich mit den eigentlichen Ereignissen der Reise. Isak wird sich der verpassten Chancen in seinem Leben bewusst.

Trotz allem ist Smultronstället nicht etwa ein melodramatischer Film, keine nur schwer verdauliche Reise durch das Innenleben eines alten Mannes oder gar trockene psychologische Studie. Weit davon entfernt. Die Balance zwischen der Schwere eines egozentrisch anmutenden Lebens und der Leichtigkeit, mit der Bergman diese Geschichte erzählt, erfüllt den Betrachter mit einer Mischung aus Sehnsucht und Lebensfreude, Schmerz und Verständnis. Borg wird eben nicht als kaltes Ekel präsentiert, sondern als Mensch, der sich in seiner Ich-Bezogenheit ein Stück Freiheit bewahrt hat. Dass er sich dabei über andere hinweggesetzt hat und nicht in der Lage war, eine innige Beziehung zu auch nur einem Menschen einzugehen, drückt die Tragik seines Lebens aus.Ulrich Behrens