18. Oktober

OT: O slavnosti a hostech
ČSSR 1966
Regie: Jan Němec
71 Min., 35mm, OmU, s/w
Mit Josef  Skvorecký, Zdena Salivarová, Ivan Vyskocil, Evald Schorm, Jiří Němec u.a.

Ein Picknick im Wald – eine fröhlich schwatzende Gesellschaft kommt in einer sonnenüberfluteten Waldidylle zusammen. Plötzlich erscheinen unbekannte Männer und befehlen der Gesellschaft, ihnen sofort zu folgen. Ein Gast protestiert und wird von den Fremden prompt angegriffen. Ein gepflegter Herr, der  Gastgeber, taucht auf und erklärt, alles wäre nur ein schlechter Scherz von anderen Gästen seiner Party im Grünen, zu der er auch die Angegriffenen herzlich einlädt. Alle folgen ihm erleichtert zu den in der Natur aufgebauten festlichen Tafeln, lauschen den Ausführungen des Gastgebers und passen sich seinen Ansichten immer mehr an. Nur ein Gast schleicht sich heimlich fort. Der empörte Gastgeber, der immer wieder betont, er wolle doch nur das Beste für seine Gäste, fordert die Anwesenden auf, den Flüchtigen zu suchen…

Das Gleichnis auf die Anpassung und die Zerstörung derjenigen, die eigene Ansichten vertreten, war einer der einer der wichtigsten Filme im Vorfeld des Prager Frühlings und ist mit Renoirs „La régle du jeu“ und Bunuels „Angel Exterminador“ verglichen worden.

„Das bekannteste und sicher eines der bedeutendsten Meisterwerke der tschechischen Filmrenaissance wurde 1966 als Kühnes Werk prompt nach der Fertigstellung verboten, erhielt aber trotz des Verbots den Preis der tschechischen Kritik für 1967 und kam erst unter Dubek heraus. Im Verlauf des Films verwandelt sich Renoir in Buñuel, und wir werden eines vernichtenden, pessimistischen Kommentars über menschliches Verhalten unter dem Totalitarismus teilhaftig, einer kalten Dusche, zeitlos und unangenehm vertraut. Die üblichen Opportunisten, Modetoren, Heuchler, willigen Opfer und öden Kleinbürger sind von unerschrockenen führenden tschechischen Künstlern, Schriftstellern, Filmemachern und intellektuellen dargestellt, die alle an der kurzlebigen Reformbewegung des Prager Frühlings beteiligt waren.“ Amos Vogel