11. Oktober

aka: Scharf beobachtete Züge
OT: Ostře sledované vlaky
ČSSR 1966
Regie: Jiří Menzel
92 Min., 35mm,  OmU, s/w
Mit Václav Neckář, Jitka Bendová, Vladimír Valenta, Libuše Havelková, Josef Somr, Alois Vachek, Jiří Menzel u.a.
Buch: Bohumil Hrabal, Jiří Menzel

Die nationalsozialistische Besatzungsmacht durchkreuzt einen idyllisch abgelegenen Bahnhof unweit von Prag in Form „scharf beobachteter Züge“, die Munition transportieren. Umgeben von einem taubenliebenden Bahnvorsteher, einem erotomanen Signalgeber und einem müßiggängerischen Wächter versucht der neue Bahnlehrling Miloš verzweifelt, seine Jungfräulichkeit zu verlieren. Miloš‘ mit allgegenwärtiger Sinnlichkeit und offener Lüsternheit gespickte „éducation sentimentale“ explodiert dabei regelrecht in einem Akt heldenhafter Kriegssabotage.

Nicht ohne Vorwürfe blieb Jiří Menzels Vorstoß, als er das heilige Thema des Freiheitskampfes in den 40er Jahren mit einem Leitmotiv verknüpfte, das den Konventionen völlig widersprach: der Sexualität. Knapp 30jährig erhält Menzel für sein Debüt 1967 den Oscar. Newsweek verneigt sich vor Menzels „Geschmack, Phantasie, Einfachheit und Zartheit“, die „die meisten amerikanischen Regisseure zutiefst beschämen sollte“, während der bundesdeutsche Filmdienst 1968 entsetzt ist ob des „derben, mit schwüler Erotik vollgestopften Volksschwanks“.

VORFILM:
Die Wohnung, OT: Byt, ČSSR 1968, Regie: Jan Švankmajer, 13 Min., 35mm, ohne Worte
„In diesem bedeutungsträchtigen, glänzend angelegten Werk verschwören sich die Objekte – die Welt des unglücklichen Wohnungsinhabers – gegen diesen; ein Spiegel zeigt nur den Hinterkopf, ein Ofen lässt beim Anzünden Wasser fließen, und ein Suppenlöffel hat Löcher.“ Amos Vogel
Ein unauffälliger Aufstand alltäglicher Gegenstände.