24. Februar

Proshchanie s Matyoroy
Regie: Elem Klimow & Larisa Sepitko
UdSSR 1983
126 Min., 35mm
Mit Stefaniya Stanyuta, Lev Durov, Aleksei Petrenko u. a.

Das sibirische Bauerndorf Matjora soll samt der Insel, auf der es liegt, in einem gigantischen Stausee verschwinden. Matjoras Bewohnern droht die Unterbringung in einer Retortensiedlung weiter flussaufwärts. Freiwillig sollen sie ihr naturbestimmtes Leben aufgeben, sich von ihren uralten Holzhäusern trennen. In ruhigen eindringlichen Bilden schildert der Film den sich über Frühjahr und Sommer ziehenden Abschied der Menschen von Matjora – ihr Aufbegehren und sich dreinschicken. Der Konflikt wird am Beispiel dreier Generationen entwickelt: der alten Darja, ihres Sohnes Pavel und ihres Enkels Andrej. Darja, die nicht weichen will. Pavel, der als Brigadeführer seine Mitmenschen zur Umsiedlung antreiben muss, innerlich aber voller Zweifel ist; schtießlich Andrei, der blindwütig und begeistert für technischen Fortschritt um jeden Preis eintritt. „Abschied von Matjora“ zeigt, daß sich Lebenszusammenhänge nicht einfach versetzen lassen, ergreift Partei für das traditionelle bäuerliche Leben. Und obwohl diese Parteinahme leidenschaftlich und pathetisch ist, die Bilder sich bisweilen ins Mystische steigern, erliegt der Film niemals der Gefahr des Kitsches.
Auf die Freigabe zur Aufführung musste Klimow drei Jahre warten. 1984 wurde sein Film nicht für die Berlinale freigegeben, erst 1987 lief er aufgrund von „Glasnost“ und „Perestroika“ in der Wettbewerbssektion außer Konkurrenz.

„Ein bewegender Film, der ohne Sentimentalität zutiefst humane Positionen bezieht, der klar Partei ergreift für Natur, Tradition und allgemeingültige Werte. ‚Abschied von Matjora’ ist ein eindringlicher Appell an die Menschheit, denn ‚Matjora‘ ist unser Erdendorf.“ (Hans Messias, film-dienst)