07. Oktober

Argentinien 1996, 88min, 35mm, OmU
Regie: Gustavo Mosquera R.
Mit Guillermo Angelelli, Roberto Carnaghi, Jorge Petraglia, Anabella Levy

Schrilles Telefonklingeln mit einer unglaublichen Nachricht schreckt das Bahnpersonal im riesigen U-Bahnnetz von Buenos Aires aus der Alltagsroutine: Ein kompletter Zug mit 30 Passagieren ist auf der Fahrt zwischen zwei Haltestellen urplötzlich verloren gegangen. Trotz hektischer Nachforschungen weiß niemand, wo sie geblieben sind.
Ein junger Mathematiker wird mit der weiteren Untersuchung des Falles beauftragt. Er trägt Karten und technische Daten zusammen und allmählich verdichten sich die Hinweise zu einem unheimlichen Verdacht: Die U-Bahn könnte in eine „Moebius-Schleife“ geraten sein, d.h. in eine andere Zeit- und Raumdimension übergesprungen sein. Nachdem der Mathematiker nur Unglauben erntet, macht er sich auf die Suche nach dem Konstrukteur, der seinerzeit die komplizierte Anlage des U-Bahnnetzes entworfen hatte. Doch der alte Mann ist vor etlichen Jahren unbekannt verzogen und einzig ein kleines Mädchen scheint ihn noch zu kennen. Ein Zufall, der ihn beinahe das Leben kostet, bringt den Mathematiker auf die richtige Spur…
MOEBIUS ist der erste Spielfilm der argentinischen Universidad del Cine, der größten privaten Filmhochschule Lateinamerikas. Das Debut wurde gleich ein Volltreffer: Ein spannender, vielschichtiger und verblüffend konstruierter Thriller. Eine atmosphärisch dichte Kinoreise in das Labyrinth einer Parallelwelt, die beunruhigend direkt unter der Oberfläche der Alltagsrealität zu beginnen scheint.
Ein weiteres, politisches Motiv steht im Hintergrund, ohne direkt ausgesprochen zu werden: Die „desaparecidos“, die Verschwundenen aus der Epoche der argentinischen Militärdiktatur – auch sie wurden seinerzeit wie von Geisterhand entführt, wie verschluckt durch Raum und Zeit.
Die Filmhochschule hat bewiesen, dass man mit weniger als 300.000 Dollar einen großen Film von eigenwilliger Schönheit machen kann. Bei seiner internationalen Premiere 1997 im Programm der Berliner Filmfestspiele wurde MOEBIUS zum Geheimtipp bei Publikum und Kritik.