23. September

Frankreich, Italien 1967, 99min, 35mm, OmU
Regie: Luis Buñuel
Mit Catherine Deneuve, Michel Piccoli, Jean Sorel

Der 1967 gedrehte Film thematisiert sexuelle Untiefen, sowie die generelle sexuelle Sprachlosigkeit der Menschen jener Zeit. Die filmische Thematisierung dieser Probleme war damals geradezu revolutionär. Im Mittelpunkt steht Severine, die in Tagträumen versucht, aus der beklemmenden Enge ihrer gefühlsarmen Ehe mit dem langweiligen Chirurgen Pierre auszubrechen. Doch auf Dauer genügen die Phantasien nicht…

Die kühle Severine wird von der mädchenhaften Catherine Deneuve gespielt, sie verpasst dieser Figur eine derart frappierend mimische Sterilität, dass sie auch rein äußerlich vollkommen emotionslos, gehemmt und vom trostlosen bürgerlichen Alltag in sich erstarrt wirkt.

Belle de Jour ist eine perfekt doppelbödige Inszenierung. Die oft übergangslos und schwer zu unterscheidenden Vermischungen von Realität und Fiktion werden mit surrealen Motiven verstärkt. Die Fotografie fasziniert noch heute durch eine besondere Ruhe und Schönheit, was nicht zuletzt auch an der raffinierten Ausstattung liegt, die dezent genug ist, um real zu wirken, aber dermaßen abstrakt ausfällt, dass sie doch scheinbar einen Traum suggeriert. Wer das Ende nicht recht versteht, befindet sich in bester Gesellschaft: Auch dem berühmten Regisseur selbst soll es so gegangen sein. Doch damit scherzte er wohl nur…