15. Juli

Sans toit ni loi
Frankreich 1985, 107 Min., 35mm, deutsche Fassung
Regie: Agnes Varda
Mit Sandrine Bonnaire, Macha Meril, Yolande Moreau

Ein Mädchen wird verdreckt und steif in einem Graben gefunden. Es ist tot. Erfroren. »NATÜRLICHER TOD«, stellt die Polizei lapidar fest, und ein Bauer vermutet, sie sei eine Streunerin gewesen. Im Off-Ton die Stimme der Regisseurin, die die letzten Wochen der Toten rekonstruieren will, mit Leuten sprechen möchte, die Mona begegnet waren, wobei sie gleich sagt, dass sie selbst nicht viel von ihr wisse und viel auch nicht verstehen würde.

Mona begegnen unterwegs Menschen – manchmal Randfiguren der Gesellschaft wie sie – aber auch Arbeiter, Bauern, Menschen, die ihr helfen, ihr Arbeit geben und sie eine Zeitlang bei sich aufnehmen. Die Menschen, denen sie begegnet war, erinnern sich an sie, sagen ihre Meinung über Mona frontal in die Kamera. Die Statements sagen mehr über die Menschen als über Mona aus.

Im Gegensatz zu dem pathetischen deutschen Verleihtitel Vogelfrei entspricht der französische Originaltitel Sans toit ni loi – Ohne Dach und Gesetz sehr viel eher dem Tenor des Films. Ohne Dach und Gesetz zu leben, ist Monas freier Entschluss, sie hat ihrer gesicherten Existenz den Rücken zugekehrt; sie hat die Straße gewählt und die Freiheit.

Vogelfrei ist ein Film, der einen so schnell nicht loslässt, Mona beschäftigt einen weiter, sie ist radikal, ist nie Opfer, nie bedauernswert, doch ihr Tod hinterlässt ein schlechtes Gewissen. »Ich wollte einen bewegenden Film machen, der auch über einige Gedanken meditiert, wie den der Freiheit (dieses strapazierte Wort!) und der ein gut ausgedachtes Puzzle ist; bei dem aber einige Stücke fehlen.« (Agnes Varda)