24. Juni

Deutschland 1986, 78 Min., 35 mm
Regie, Buch, Kamera: Christoph Schlingensief
Mit: Helge Schneider, Alfred Edel, Dietrich Kuhlbrodt, Volker Bertzky, Anna Fechter

Eine merkwürdige Erfahrung beim Zuschauen: Die Befremdung, die der Film beim Zuschauer erzeugt, löst sich irgendwann auf zu einem Versuch des Verstandes, die Bilder, die Motive zu ordnen und verständlich werden zu lassen; was natürlich nicht restlos gelingt, was jedoch den Vorgang der Organisation einer Geschichte im Kopf des Zuschauers bewusst macht. Vielleicht ist der Film eingeteilt in ein Reich der Lebenden und ein Reich der Toten mit durchlässiger Zwischenwand; vielleicht ist der Film eine Art Traum von jemandem, dessen Traum-Ich von Helge Schneider gespielt wird; vielleicht ist er die Bebilderung einer Psychose des kollektiven Unterbewusstseins, um die Bewältigung der Schuld der Eltern, um Ödipus on the rocks, um orale Lüste.
Immer wieder spielt Schlingensief mit den Bildern des Genrefilms: Horror, Film Noir, Melodram werden ins Eklige gezerrt; vielleicht also ist alles als eine Art Travestie-Phantasmagorie der filmischen Form zu sehen. Vielleicht will „Menu Total“ mit seiner Vielzahl von Metaphern, die ins Leere führen, die Gattung des vielschichtigen, symbolüberfrachteten Kunstfilms ad absurdum führen.
Vielleicht aber, und darauf besteht Schlingensief, ist alles einfach nur eine absurde Komödie, über die man sich totlachen sollte, wenn man sich als Zuschauer erst mal die richtige Einstellung zum Film angeeignet hat.
Nicht jeder hat das verstanden: Bei der legendären Aufführung im Forum der Berlinale 1986 verließen in den ersten zehn Minuten zahlreiche Besucher den Kinosaal, allen voran Wim Wenders. Später freilich kam Udo Kier, der sich köstlich amüsiert hatte, auf Schlingensief zu: Der Grundstein für eine fruchtbare Zusammenarbeit. Harald Mühlbeyer

„Mein bester Film!“ (Christoph Schlingensief)

Im Vorprogramm zeigen wir den Kurzfilm: My Wife in 5 (Regie: Christoph Schlingensief, Deutschland 1985, 14 Minuten, 16mm)