06. Mai

Ōdishon
Japan 1999, 115 Min., 35mm, OmU
Regie: Takashi Miike
Mit: Ryo Ishibashi, Eihi Shiina, Miyuki Matsuda, Renji Ishibashi

In einer kunstvoll emotionalisierten Eröffnungsszene verliert Aoyama seine Frau. Sein Sohn ist noch mit Geschenken ins Krankenhaus gekommen, aber es ist bereits zu spät. Erst sieben Jahre später entschließt sich der Mann, etwas gegen die Leere in seinem Herzen zu unternehmen, und ein befreundeter Fernsehproduzent bietet seine Hilfe an: Bei einer Audition, einem Vorsprechen für die weibliche Hauptrolle einer Serie, würde er ja vielleicht eine Frau nach seinem Geschmack finden. Keine der Frauen kann ihn in irgendeiner Weise berühren, bis er Asami sieht. Um Aoyama ist es geschehen, auch wenn jeder ihm dringend abrät, Kontakt zu diesem mysteriösem Mädchen aufzunehmen, greift Aoyama nach langem Zögern zum Hörer und wählt ihre Nummer. Glasklar und schüchtern antwortet am anderen Ende die geliebte Stimme. Ab da ändert sich das Leben Aoyamas auf dramatische, existenzielle Art und Weise.

Der japanische Regie-Star Takashi Miike zeigt uns ein Psycho-Drama voller überraschender Wendungen, einen surrealen Einblick in die intimsten Empfindungen 2er verlorener Seelen. Ohnehin bietet das meisterhafte Drehbuch von Koji Endo, Sohn des Regie-Altmeisters Imamura, noch so viele unerwartete Verdichtungen, dass man bis zur letzten Minute gefordert wird. Mehr und mehr verschwimmt die äußere Logik der Ereignisse, und wer will, der kann sich die schlimmsten Szenen lediglich als Verbildlichung des Unterbewusstseins des Protagonisten vorstellen. Das macht das Zuschauen nicht leichter, aber genau darin liegt die Perfidie und Genialität dieses meisterhaften Films – in seiner Radikalität ein Monument der Filmgeschichte. Als Zuschauer Angst zu spüren, fällt bei diesem Film wahrlich nicht besonders schwer!