12. November

Le Fantôme de la liberté
Frankreich/Italien 1974
Regie: Luis Buñuel
DarstellerInnen: Adriana Asti, Julien Bertheau, Jean Rochefort, Jean-Claude Brialy, Michel Piccoli
OmU, 104 Minuten, 35mm

Der Film ist einer der absurdesten und gleichzeitig auch einer der komischsten und spielerischsten Filme von Buñuel. In einer losen Folge von Episoden geht er mal mehr mal weniger ernsthaft der Frage nach, was „Freiheit“ bedeutet, was sie möglich macht und was sie verhindert. Was diesen Film nun so einzigartig macht, ist Buñuels Fähigkeit, mit vollkommenem Ernst Situationen darstellen, die uns völlig vertraut sind, in denen aber eine Prämisse ins Gegenteil verkehrt ist. Zum Beispiel das abendliche Zusammenkommen zweier Paare samt Kindermädchen und Kind: Man setzt sich nicht zu Tisch, um gemeinsam zu essen, sondern um gemeinsam zu…

Dass dieser Film nun nicht einfach ein trockenes Lehrstück ist, sondern vor allem immer wieder umwerfend komisch, liegt sicherlich zu einem großen Teil an dem durchweg wunderbaren Darstellerensemble. Die Schauspieler agieren durchweg mit einer situativen Genauigkeit und einer wunderbaren Mischung aus Reserviert- und Erregtheit. Die große Spiellaune des gesamten Ensembles ist nicht zu übersehen und reißt immer wieder mit.

Buñuel führt Zufälligkeiten, Formalismen und Rituale menschlicher Unzulänglichkeiten vor, aber nicht seine Figuren. Das macht seine surrealistische (Welt-) Sicht auch für ein heutiges Publikum so sehenswert: Der „französische Spanier“ ist kein moralinsauer Prediger, sondern jemand, dessen „Lehre“, einen solchen Begriff würde er naturgemäß strikt von sich weisen, unter einem Berg von Amüsement nur sehr unterschwellig sichtbar wird.