Das Offkino im Filmhaus Bielefeld. Jeden Freitag ausgesuchte Filme.

Aktion
Zum 3-jährigen Geburtstag des Offkinos im September:
Ihr habt die Möglichkeit unser Filmprogramm im September mitzugestalten
Cinemania
24. Mai
Regie: Angela Christlieb, Stephen Kijak
80 Min., 35mm, OmU
Mit Jack Angstreich, Eric Chabourne, William Heidbreder, Roberta Hill und Harvey Schwartz
Kino ist toll, doch für Jack, Roberta, Eric, Harvey und Bill ist Kino einfach alles. Bis zu acht Filme schauen sie sich jeden Tag an. Wie sie am effektivsten und schnellsten von Kino zu Kino kommen, wird von ihnen minuziös geplant, denn sie wollen keine Sekunde verpassen. Das ist Liebe! Doch für die fünf New Yorker_innen, die von den Filmemacher_innen Christlieb und Kijak einige Zeit begleitet wurden, ist diese Liebe wahrlich eine Obsession. Ihre Leidenschaft läßt sie zu Tänzer_innen zwischen ihrer oft traurigen Realität und der geliebten filmischen Fiktion werden. Zum „wahren Leben“ haben sie längst den Bezug verloren, denn ihre Leidenschaft ist gleichzeitig ein Vollzeit-Job, der keinen Platz für andere Dinge läßt und sie wirtschaftlich ständig an den Rand der Existenz führt.
Böse Zungen würden sie Freaks nennen, diese Cinemaniacs, doch die Dokumentation schließt sich diesem populistischen Tenor nicht an. Ohne selbst zu kommentieren beobachtet „Cinemania“ und verfällt nicht der Versuchung seine Probanden zu verspotten, dabei wäre dies ein einfaches Unterfangen, denn die Klischees, die man glaubt zu kennen, wenn es um Menschen geht, die ihre Leidenschaft obsessiv ausleben, sind hier mehr als deutlich zu erkennen. Aber die Doku will nicht wissen, wie es sich anfühlt, so am (angeblichen) Rande der Gesellschaft, sondern ist viel mehr daran interessiert, was denn nun das große Faszinosum des Kinos ist.
The Purple Rose of Cairo
31. Mai
Regie: Woody Allen
78 Min., 35mm, DF
Mit Mia Farrow, Jeff Daniels, Danny Aiello, Dianne Wiest u.a.
Während Amerika von der Wirtschaftsdepression der 1930er-Jahre schwer gebeutelt wird, produziert die Traumfabrik in Hollywood ein Filmmärchen nach dem anderen, um den geneigten Zuschauern willkommene Fluchten in eine andere Welt zu bieten. Völlig fasziniert sitzt auch die unglücklich verheiratete Kellnerin Cecilia (Mia Farrow) im Kino ihres Heimatortes New Jersey. Der aktuelle Film "The purple Rose of Cairo" mit dem schneidigen Forscher Tom Baxter (Jeff Daniels) hat es ihr besonders angetan. Immer wieder sitzt sie in der Vorstellung und plötzlich geschieht das Unfassbare: Tom Baxter will Cecilia kennenlernen und verlässt die Kinoleinwand!
Die Ausstattung dieser tragisch-komischen Geschichte ist genauso perfekt, wie die Darsteller, die ihre Figuren zum Glänzen bringen. Den Nonsensfaktor seines Filmstoffes hat Woody Allan perfekt integriert und ausgespielt. Jeff Daniels lässt sich nicht einmal zu einem kleinen Lächeln hinreißen, wenn er als Tom Baxter höchst unpassend durch die reale Kleinstadtwelt geht und versucht die reale Welt kennenzulernen. Der herrlich schräge Humor und die ironisch verpackten kleinen Weisheiten dieser keineswegs flachen Komödie, machen diesen Film zu einem Seh- und Hörgenuss. Er behandelt das Thema des Verhältnisses von Kunst und Wirklichkeit mit einer Tiefe und zugleich einer Leichtigkeit, daß man sagen muß: Woody Allen wäre selbst dann ein großer Filmemacher, wenn es nur diesen einen Film von ihm gäbe.
„Eine kluge und sensible Tragikomödie, hervorragend inszeniert und gespielt. Der Film verbindet die Liebesgeschichte mit einer intelligenten Reflexion über Schein und Sein, Illusion und Realität. Das komplexe Verwirrspiel ist als vielschichtiger Diskurs über Möglichkeiten von Liebe, Leben, Film und Traum eine Liebeserklärung an das Kino, seine Stars und Zuschauer.“ Lexikon des Internationalen Films
Fellinis Schiff der Träume
07. Juni
I/F 1983
Regie: Federico Fellini
128 Min., 35mm, DF
Mit Freddie Jones, Barbara Jefford, Peter Cellier, Norma West, Pina Bausch u.a.
Im Juli 1914 macht sich ein Ozeanriese mit prominenten Passagieren an Bord auf den Weg um sie Asche einer verstorbenen Operndiva bei einer Seebestattung die letzte Ehre zu erweisen. Auf der feinen Gästeliste finden sich die Stützen der Gesellschaft, aber auch ein skurriles Völkchen von Überlebenskünstler_innen. Unter ihnen Sänger und Regisseure, Dirigenten und Impresarios, die blinde Prinzessin und ihre Entourage, ein Großherzog und sein Premierminister, kurz: alle Repräsentanten der österreichisch-ungarischen Monarchie - allesamt Bewunderer der göttlichen Stimme der verblichenen Diva. Die ersten Tage an Bord erweisen sich – trotz des Anlasses – als vergnügliche Reise, bis das Schiff eines Tages auf eine Gruppe serbischer Flüchtlinge stößt. Die Menschen sind auf der Flucht vor den ersten Auswirkungen des Ersten Weltkrieges, und der Kapitän des Luxusdampfers beschließt, die Flüchtlinge zu seiner elitären Kundschaft zusätzlich an Bord zu nehmen.
Es gibt wohl kaum ein besseres Symbol für den drohenden Untergang einer Gesellschaft als ein Schiff. Wohin fährt das Schiff? Wer steuert es? Auf dem Oberdeck befinden sich die Reichen, unter Deck schuften die Armen in Hitze und Dreck. Dazwischen: keine Berührung. Was aber geschieht, wenn sie plötzlich und unvorhergesehen alle im selben Boot sitzen?
"(...) In der Caruso-Stadt Neapel geht die Musikwelt an Bord der „Gloria N.“, und Fellini läßt uns deren Aufmarsch und die ersten Auftritte der Primadonnen und Sangesathleten, der Maestros und Virtuosen erleben, als sähen wir alte Wochenschauen, als würden vergilbte Photoalben filmisch aufgeblättert. Allmählich dann werden die Bilder schärfer, perfekter, nähern sich unserem Standard, Farbe kommt hinzu – und man begreift, daß uns Fellini gerafft, in einem amüsanten Schnellkursus, die handwerkliche und technische Entwicklung des Mediums Film vorgezaubert hat." DIE ZEIT, 1984
„Fellinis musikalisch opulente, bildgroteske Vision persifliert Selbstgefälligkeit und verstellten Wirklichkeitssinn mit mehrfacher, gleichnishafter Selbstironie.“ Filmdienst
Heat
14. Juni
USA 1972
Regie: Paul Morrissey
96 Min., 35mm, DF
Mit Joe Dallesandro, Sylvia Miles, Andrea Feldman u.a.
Musik: John Cale
Joey Davis, ein abgehalfteter aber blendend aussehender Ex-Kinderstar, jagt dem großen Comeback in Hollywood nach und zieht unter der gleißenden Sonne Kaliforniens in Lydias schäbiges und bizarres Motel ein. Dort leben noch ein paar andere spezielle Persönlichkeiten, darunter Jessica mit ihrer Freundin Bonnie und ihrem kleinen Sohn. Jessica erkennt Joe sofort, weil ihre Mutter, Sally Todd, früher eine Gastrolle in der populären Serie „The Big Ranch“ hatte, in der Joe eine tragende Rolle spielte. Sally war früher ein mehr oder weniger erfolgreicher Filmstar, mittlerweile reduziert sich ihre Arbeit in Hollywood auf die Moderation von Spielshows und sie versucht ihre schillernde Vergangenheit in einer pompös-kitschigen Prunkvilla zu konservieren. Jessica will Joe unbedingt mit Sally bekannt machen, da sie so hofft, dass diese mehr Geld für sie springen lässt. Joey und Sally beginnen eine Liaison. Er nutzt ihre Kontakte und Zuneigung für seine Zwecke aus. Sie überträgt ihre vergeblichen Ambitionen, an ihre alten Zeiten anzuknüpfen, auf den ehemaligen Kinderstar.
"Heat" bildet nach "Flesh" (1968) und "Trash" (1970) den letzten Teil der "Kommerz-Underground"-Triologie von Andy Warhol und Paul Morrissey, mit der die beiden Künstler auf zynische Weise Tabus brachen, da sie zur Zeit ihrer Entstehung und ihrer Erstauswertung den herrschenden Normen widersprachen: den offiziellen Zensurvorschriften, dem Geschmack der etablierten Filmkritik, den dominierenden politischen Grundströmungen.
Innerhalb von zwei Wochen abgedreht, brachte der Low Budget Film allein in den USA zwei Millionen Dollar ein und avancierte zum Kultfilm.
Joe Dallesandro avancierte mit den Warhol-Filmen zum avantgardistischen Superstar des Underground.
Das Schweigen
21. Juni
SE 1963
Regie: Ingmar Bergman
95 Min., 35mm, DF
Mit Ingrid Thulin, Gunnel Lindblom u.a.
Filmbeschreibung folgt sehr bald! ------------------------------------------------
E.T. - Der Außerirdische
28. Juni
USA 1982
Regie: Steven Spielberg
115 Min., 35mm, DF
Mit Dee Wallace, Henry Thomas, Peter Coyote, Robert McNaughton, Drew Barrymore u.a.
Langsam senkt sich der fremde Flugkörper auf die Waldlichtung nahe der kalifornischen Metropole Los Angeles. Eine Rampe öffnet sich, dem Schiff entsteigt ein kleines runzeliges Wesen. Mit großen, neugierigen Augen scheu um sich blickend, tapst das Ding durch die Fauna des fremden Planeten, wird erschreckt durch den mit Suchscheinwerfern ausgerüsteten Suchtrupps und sucht sich schnellstmöglich wieder in die schützende Hülle seines Flugkörpers zurückzuflüchten – doch das rettende Raumschiff ist bereits entschwebt.
Seit der großen Zeit Walt Disneys vor mehr als einem halben Jahrhundert, als Phantasie-Figuren wie „Pinocchio“ das amerikanische Publikum, schließlich auch die ganze Welt eroberten, hat es dies nie wieder gegeben: eine kleine phantastische Leinwandgestalt, die jeden bezaubert, der mit ihr konfrontiert wird. So wurden denn auch die Kritiken zum Film ausschließliche Liebeserklärungen an jenen runzeligen Burschen mit den Kulleraugen, der auf der Erde verloren ging. Selten wohl hat eine Filmfigur derart die Sympathien auf sich vereint, selten wohl hofften und litten so viele Zuschauer_innen der unterschiedlichsten Altersgruppen mit ihrem Leinwandhelden.
Am 11. Juni 1982 brachte Steven Spielberg einen Film in die amerikanischen Kinos, von dem keiner dachte, dass er ein großer Erfolg werden würde. Aber die Geschichte um Toleranz und (intergalaktische) Freundschaft berührte die Zuschauer_innen sehr. Bei einer Testvorführung bei den Filmfestspielen in Cannes erhielt „E.T. - Der Außerirdische“ Standing Ovations. Bei der Oscarverleihung erhielt er von neun Nominierungen vier der Preise: Bester Ton, beste Filmmusik, beste visuellen Effekte und bester Tonschnitt.
Alle Gäste die an diesem Abend das BMX als Anreisevariante ins Offkino wählen, werden von der Kinocrew auf ein Getränk ihrer Wahl eingeladen.
Welche Fassung ?
DF: Deutsche Fassung -also auf deutsch synchronisiert.
OmU: Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
OmenglU: Originalfassung mit englischen Untertiteln.
OV: Originalfassung -ohne Untertitel. Wir zeigen in diesem, eher seltenen, Fall ausschliesslich englischsprachige Filme.


