März

Unsere Filme im März – Im Zug –

Zug des Lebens

03. März

OT: Train de vie
F, B, NL, ISR, RUM 1998
Regie: Radu Mihăileanu
103 Min., Blu-Ray, OmU
Mit Lionel Abelanski, Rufus, Clément Harari, Michel Muller, Bruno Abraham-Kremer u.a.

„Train de vie“, eine 1998 gedrehte Komödie, erzählt die Geschichte einer osteuropäischen Stetl-Gemeinde, die sich vor den heranrückenden Nazis auf eine ganz besondere Art zu retten versucht: Die Bewohner_innen beschließen, sich als Nazi-Aufseher und Deportierte zu verkleiden und den Versuch zu wagen, in einem als Deportationszug getarnten Zug die russische Grenze und damit die Freiheit zu erreichen.

„Train de vie“, ein von einem jüdischen Filmregisseur gedrehter Holocaust-Film, stellt die Koalition zwischen zwei Minoritäten her, die unter der Naziherrschaft ein ähnliches Schicksal erlitten. Nämlich die der Juden und die der Roma.

Der Film erhielt 1998 den Publikumspreis auf dem „Cottbuser Festival des osteuropäischen Film“ und 1999 den Publikumspreis beim „Sundance Film Festival“, außerdem wurde er 1998 mit dem Preis für das beste Debüt bei den „Filmfestspielen Venedig“ 1998 und 2000 als bester ausländischer Film bei den“ Las Vegas Film Critics Society Awards“ ausgezeichnet.

Lachen darf man nicht, lachen muss man. Doch nicht jedes Lachen ist gleich. Worüber lacht wer, wenn der Holocaust zum Gegenstand absurder Geschichten, schwarzen Humors und komischer Narrative wird? Stoßen filmische Komödien und Satiren an eine Grenze, […..]? Oder liegt gerade im anarchischen Impuls des Komischen, in der Schamlosigkeit des Lachens eine Chance, sich dem Ungeheuerlichen des Holocaust und seine Folgen provokativ anzunähern?“ Margit Frölich, Hanno Loewy, Heinz Steinert: Lachen über Hitler Ausschwitz-Gelächter? edition text + kritik, 2003

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Johanna d’Arc of Mongolia

10. März

BRD 1989
Regie: Ulrike Ottinger
165 Min., 35mm
Mit Delphine Seyrig, Irm Hermann, Peter Kern, Gillian Scalici u.a.

Die elegante englische Privatlehrerin und Ethnologin Lady Windemere, die unkomplizierte Fanny Ziegfeld -ein amerikanischer Musicalstar-, die junge und abenteuerlustige Giovanna, sowie die standesbewusste Frau Müller-Vohwinkel sind vier völlig verschiedene Frauen aus dem Westen. Sie lernen sich auf ihrer Reise im Speisewagen der Transsibirischen Eisenbahn kennen, wo sie sich von der georgischen Damen-Combo „Kalinka Sisters“ unterhalten lassen. Dort machen sie auch die Bekanntschaft mit drei extravaganten Herren. An der Grenze zur Mongolei trennen sich die Wege dieser zufällig und bunt zusammengewürfelten Gesellschaft wieder, da die Frauen in die Transmongolische Eisenbahn umsteigen. Die Reise nimmt eine plötzliche Wende, als sie dort nach kurzer Fahrt von der mysteriösen mongolischen Prinzessin Ulun Iga und ihren Reiterinnen überfallen und verschleppt werden. Die weitere unfreiwillige Reise führt sie durch die Landschaften der Mongolei, wo sie mit einer für sie fremden Kultur, archaischen Ritualen und uralten Traditionen konfrontiert werden. Es ist so, als wären sie plötzlich in eine andere Zeit versetzt…

Ulrike Ottinger hat sich in ihrem neuen Film […] zu einer höchst interessanten Vermischung von Fiktion und dokumentarischer Exkursion in eine fremde Kultur entschlossen […] Komische Aspekte inszeniert Ulrike Ottinger dabei ganz als Situationskomik im Aufprall der beiden Kulturen. Jeder Anflug von Exotismus wird gebrochen im einerseits dokumentarischen Gestus und andererseits durch die Herausarbeitung der ästhetisch-autonomen Aspekte des Fremden. Die Reise in die Vergangenheit verläßt so nie die Moderne, sondern rettet sie als Wahrnehmungsstruktur. Der Faszinismus des in der Ferne Gesehenen wird als neue Erfahrung mit auf die Rückreise genommen […]“ Gertrud Koch, Frankfurter Rundschau

Ulrike Ottinger, von der wir schon „Unter Schnee“ und „Bildnis einer Trinkerin“ gezeigt haben, gilt als eine der eigenwilligsten deutschen Filmemacherinnen von internationalem Rang. Ihr umfassendes Filmwerk gehört fast vollständig zum Verleihprogramm des Arsenals – Institut für Film und Videokunst e.V..

Fellinis Stadt der Frauen

17. März

OT: La città delle donne
I, F 1980
Regie: Federico Fellini
139 Min., 35mm, DF
Mit Marcello Mastroianni, Anna Prucnal, Bernice Stegers, Donatella Damiani u.a.

Marcello Snàporaz (Marcello Mastroianni) ist ein notorischer Casanova. Auf einer Zugfahrt visiert er eine für ihn verführerische Frau im Nachbarabteil an und stellt ihr penetrant nach. Er verfolgt sie auch weiter, nachdem sie nach einem Nothalt in der Pampa aus dem Zug gestiegen ist, und landet letztendlich in dem abgelegenen Hotel Miramare. Dort findet gerade ein Kongress militanter Feministinnen statt, wo in Reden, Gruppenübungen, Diavorführungen, Film- und Theateraufführungen die Frauen ihre Unterdrückung thematisieren und dagegen angehen. Auch die Verfolgte ist dort anwesend und bringt die Frauen gegen Snàporaz auf, einen offensichtlichen Vertreter der Unterdrücker. In den darauffolgenden Aktionen der Feministinnen wird er mit seinen sexuellen Phantasien, Vorurteilen und Ängsten konfrontiert…

Federico Fellinis surrealer Bilderbogen ist ein Abgesang auf den Mann, der die Frauen liebt, und der auf seiner Suche nach dem idealen Geschöpf nur seiner eigenen Lächerlichkeit begegnet. Macho Marcello Mastroianni (in einer Paraderolle) taucht hier in die Welt der Feministinnen und erlebt in einer Traumreise sein ‚Blaues Wunder‘. In aufwändigen und phantastischen Bildern zeigt Altmeister Fellini die Situation eines traditionellen Frauenhelden angesichts der fortschreitenden Emanzipation der Frau.“ prisma.de

Skandal machte ‚Fellinis Stadt der Frauen‘, weil feministische Gruppen, die der Regisseur engagiert hatte, nur ein denunziatorisches Zerrbild ihrer Ideen wieder erkannten. Aus heutiger Sicht ist Fellinis mit überbordender Phantasie in Szene gesetzter, surrealer Bilderbogen eine Persiflage auf typische Männerphantasien und Männerängste. Neugierig, lüstern und feige stolpert Marcello Mastroianni, Alter Ego des Regisseurs, auf der Suche nach der idealen Frau durch das Labyrinth seiner eigenen Träume, Verblendungen und Vorurteile.“ Das Erste

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Train Station

24. März

USA 2017
Regie: Juliane Block, Xavier Agudo u.a.
97 Min., Blu-Ray, OmenglU
Mit Christos Sougaris, Ankur Vikal, Shirin Esmaeeli u.a.

Ein fantastisches, ein abenteuerliches Projekt: 40 Regisseure und Regisseurinnen mit über 40 Hauptdarsteller_innen erzählen die Geschichte eines verpassten Zuges. Alles beginnt in Nairobi, als die Hauptperson erfährt, das es wegen eines Unfalls auf der Strecke eine Zugverspätung geben wird. Die Person entscheidet sich nach Hause zu gehen. Doch was wäre passiert, wenn sie sich anders entschieden hätte? Mit jeder neuen Entscheidung der sich ständig ändernden Hauptperson werden wir an einen neuen Fleck auf der Erde mitgenommen und die Geschichte dreht sich immer weiter und weiter.

„Train Station“ ist ein Film über die unendlichen Möglichkeiten, die sich ergeben, wenn ein einziges Ereignis unser Leben durchkreuzt. Jede einzelne Geschichte wird von einer neuen Regisseurin/einem neuen Regisseur in 25 Ländern und über 20 Sprachen erzählt. Ein Projekt mit ungeheurer Vorarbeit und bereits vielfach preisgekröntem Erfolg.

Wir freuen uns daher ganz besonders heute Abend Juliane Block und Xavier Agudo, zwei Regisseur_innen des Films, bei uns zu Gast zu haben, und im Anschluss an die Vorstellung mit ihnen über dieses einzigartige Projekt sprechen zu können.

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Alois Nebel

31. März

CS, D 2011
Regie: Tomáš Luňák
84 Min., DCP, tsch. m. dt. UT
Animationsfilm

Herbst 1989. Beinah könnte man sich Alois Nebel als glücklichen Menschen vorstellen. Er sitzt seit Jahr und Tag an einem kleinen Provinzbahnhof, fertigt Züge ab und lässt das Leben um sich herum geschehen. Er ist ein Eigenbrötler im tschechischen Spätsozialismus, der alte Fahrpläne den Menschen vorzieht und die Einsamkeit des Bahnhofs als ruhig und entspannend empfindet – außer wenn der Nebel kommt. Denn dann fängt er an zu halluzinieren, Geister zu sehen, sowie Schatten aus der dunklen Vergangenheit des Zweiten Weltkrieges. Alois wird diese Albträume nicht los und endet schließlich in einer Klinik, wo er „den Stummen“ kennenlernt. Dieser wird zum unfreiwilligen Auslöser für seinen Entschluss, den Kampf gegen die Dämonen aufzunehmen, die ihn nächtlich heimsuchen.

Tomás Lunák erzählt in seinem Animationsfilm in kontrastreicher Schwarz-Weiß-Optik eine Geschichte aus dem Sudetenland. Basis dafür bildet die dreiteilige Graphic Novel „Alois Nebel” von Jaroslav Rudiš.
Die populäre Trilogie trug viel dazu bei, die öffentliche Diskussion über das Schicksal der Vertreibung […] wieder neu zu beleben“ und es gelang „mit popkulturellen Mitteln ein unliebsames Kapitel der Geschichte wieder ins Bewusstsein zu rufen.“ Katharina Granzin

Der Film wurde im Rotoskopie-Verfahren realisiert, einer besonderen Form der Animation, bei der das Motiv mehrere Male über zuvor gedrehtes Filmmaterial Bild für Bild abgezeichnet wird. So verstärkt sich der Eindruck der zum Leben erweckten Graphic Novel. Die starken Kontraste von Schwarz und Weiß verleihen dem Film die Stimmung eines Film Noir.

Der Film erhielt 2012 den Europäischen Filmpreis in der Kategorie „Bester Animierter Spielfilm“.

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April

Unsere Filme im April – Love/Hate –

Possession

07. April

F, BRD 1981
Regie: Andrzej Żuławski
123 Min., DCP, OmU
Mit Isabelle Adjani, Sam Neill, Heinz Bennent, Johanna Hofer u.a.

Filmtext folgt sehr bald!

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Welche Fassung ?

Da es häufiger Nachfragen dazu gibt, hier eine kurze Erklärung unserer Abkürzungen:

DF: Deutsche Fassung -also auf deutsch synchronisiert.
OmU: Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
OmenglU: Originalfassung mit englischen Untertiteln.
OV: Originalversion -ohne Untertitel. Wir zeigen in diesem Fall ausschliesslich englischsprachige Filme.

Februar - Bühne
03.02. Amadeus
10.02. Opera
17.02. Mephisto
24.02. Sticky Frames & friends on tour

März - Im Zug
03.03. Zug des Lebens
10.03. Johanna d’Arc of Mongolia
17.03. Fellinis Stadt der Frauen
24.03. Train Station
31.03. Alois Nebel